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Wanderung auf den Krn im Triglav Nationalpark – Slowenien mit Kind (Teil 1)

Aussicht vom Krn Berg
Die unglaubliche Sicht vom Krn - jede Anstrengung wert!

Schon aus der Ferne, als das Krn Schutzhaus über der Bergflanke aufgetaucht war, hatte es verlassen ausgesehen. Keine Fahnen draußen, keine Tische, keine Menschen. Heute Morgen, als die Hüttenwirtin uns beim Aufbrechen darauf vorbereitete, hatte ich darin noch kein Problem gesehen. Jetzt, auf dem ausgesetzten Weg im peitschenden Wind und regennass ist die Aussicht auf verschlossene Türen dann doch irgendwie bedrohlich. Miriam, die sich bis jetzt auf dem Aufstieg so super geschlagen hat, braucht auch eine Pause, und vor allem müssen wir uns alle aufwärmen. Hoffentlich ist wenigstens der Biwakraum auf – aber da war sich die Frau im Tal nicht so sicher. Wenn wir jetzt im Regen unser Brot essen müssten, würden wir schon sehr schnell an unsere Grenzen kommen. Noch einmal mobilisiert Miriam ihre letzten Kräfte und läuft vor. Sie verschwindet hinter der nächsten Ecke, und kurz darauf höre ich ihr Stimmchen im Wind. „Mama, die Tür ist auf!“ Puh, nochmal Glück gehabt. Und endlich bin ich dem Gipfel des Berges, den ich schon so lange besteigen wollte ganz nah.

 

Der Krn – mein kleiner Schicksalsberg

Miriam vor dem Krn
Der Blick von Kobarid auf den Krn

Der Krn ist ein 2244 m höher Berg am südlichen Rand des Triglav Nationalparks, der mit seine markanten Doppelspitze das Bergpanorama von Kobarid und Tolmin aus gesehen dominiert. Früher war er sogar höher – nach dem 1. Weltkrieg, in dem sich hier wichtige Stellungen befanden wurde er jedoch so sehr beschossen, dass er an Höhe verlor. Überreste der Befestigungsanlagen kann man heute weiterhin erkennen.

 

Nach vielen Slowenienaufenthalten, die ich vor allem im Tal verbracht hatte (ich habe mehrere Jahre als Kajaklehrerin auf der Soca gearbeitet…), bin ich vor zwei Jahren zum ersten Mal in höhere Gefilde vorgedrungen. Auf unserer Wanderung zum Krn See mit Miriam und einer guten Freundin habe ich zum ersten Mal gesehen, wie wunderschön die Hochtäler in den Julischen Alpen sind. Sehnsüchtig habe ich auf den Krn gestarrt, aber an dem Tag waren wir einfach zu spät dran und der Weg zu weit. Die Idee entstand, dort mal eine längere Wanderung zu machen.

 

Im Jahr darauf haben wir diese Idee gemeinsam mit meiner Mutter umgesetzt – 5 Tage von Hütte zu Hütte durch den Nationalpark. Der Krn, auf den ich eigentlich mein Augenmerk gelegt hatte, war aber nicht in unserem Programm dabei. Ich konnte weiterhin nur sehnsüchtig den Wegweisern hinterhergucken, die auf den Berg zeigten. Wieder blieb der Krn nur ein Traum für mich. Dieses Jahr sollte es also jetzt endlich so weit sein. Wieder im Rahmen einer längeren Tour durch den Nationalpark (diesmal hatten wir uns eine ganze Woche Zeit genommen) sollte ich endlich auf dem Krn stehen. Miriam und meine Mutter haben sich zwar schon über mich und meine Obsession lustig gemacht, aber ich hatte mein Ziel fest gesetzt.

 

Von der Lepena Hütte zur Krn-See Hütte

Nach unserem Aufenthalt in Kobarid sind wir durch das Soca Tal bis in das Dorf Lepena gefahren. Am Taleingang haben wir eine ausgedehnte Pause gemacht, bei der Miriam endlich schwimmen konnte – todesmutig hat sie sich in die eiskalten Fluten der Soca gestürzt. Anschließend sind wir im Tal bis zur Lepena Hütte gefahren, wo wir die Nacht verbringen und unser Auto stehen lassen wollten. In der Hütte waren wir in der Nacht die einzigen Gäste, so dass uns im Schlafsaal niemand mehr Gesellschaft leistete – worüber wir allerdings sehr froh waren. Ganz in Ruhe konnten wir unsere großen Rucksäcke packen, immerhin mussten die Sachen für acht Tage reichen. Aus dem letzten Jahr wussten wir noch, dass das Wetter unberechenbar sein kann und wir auf alles vorbereitet sein müssten. Vor allem für Miriam habe ich daher in letzter Minute doch noch einen dickeren Pullover eingepackt, und war später sehr froh darum.

 

Die Soca
Die Soca - wunderschön aber eiskalt
Miriam springt in die Soca
...aber Miriam hat sich trotzdem reingetraut (allerdings mit Neo :-))

Nach einer ruhigen Nacht wurden wir am nächsten Morgen früh durch das laute Blöken eines Ziegenbocks geweckt, der genau vor unserem Fenster den Tag begrüßte. Naja, wir mussten ja sowieso los und hatten so immerhin noch Zeit, das Auto drei Mal umzuparken, da wir uns nicht so ganz einig waren wo es wohl am längsten im Schatten stehen würde. Nachdem wir dann endlich den perfekten Platz gefunden hatten und unsere obligatorischen zwei Tassen Kaffee getrunken hatten, ging es endlich los.

 

Lepena Hütte
Endlich geht es los :-)

Hoch auf das Plateau - durch Wald und über Steine

Durch Wald und über steinige Wege ging es dann in vier Stunden hoch bis zur Krn-See Hütte. Die Wanderung habe ich schonmal auf dem Blog beschrieben, daher hier jetzt nicht mehr dazu. Wir hatten großes Glück, den ganzen Tag schon hatten sich die Wolken über uns zusammengezogen, und genau als wir dann an der Hütte angekommen sind, fing es an zu Schütten wie aus Eimern. Wir waren richtig froh, dass wir dieses Gewitter von unserem Zimmer aus am Fenster beobachten konnten und nicht darin steckten.

 

Weg zur Krn See Hütte
Durch den Wald geht es hoch...
Krn See
So hoch liegt der Schnee hier oben im Winter

Zimmer Hütte Krn See
Miriam fühlt sich pudelwohl in unserem Zimmer
So von drinnen sieht ein Gewitter gar nicht so schlimm aus...
So von drinnen sieht ein Gewitter gar nicht so schlimm aus...

Abends haben wir das typische Hüttenessen gegessen – Gulasch und Polenta für mich, Pfannekuchen mit Schokolade für Miriam und Sauerkrautsuppe für meine Mutter. Vegetarische Optionen sind leider immer sehr begrenzt auf den Hütten. Abends haben wir uns dann schön warm in unsere Betten gekuschelt und uns auf den nächsten Tag gefreut – ich wohl am meisten, muss ich zugeben.

 

Nach einer erholsamen Nacht, sah es am nächsten Morgen leider nicht so gut aus – dicke Wolken und Sprühregen. Egal haben wir uns gedacht, wir waren ja gut ausgerüstet. Ausgestattet mit einem reichhaltigen Lunchpaket und unserer Regenkleidung ging es dann los zu meinem Schicksalsberg.

 

Am nächsten Morgen ging es los - der große Rucksack blieb natürlich in der Hütte...
Am nächsten Morgen ging es los - der große Rucksack blieb natürlich in der Hütte...

Teil II unseres spannenden Abenteuers folgt in den nächsten Tagen - versprochen :-).


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Kommentare: 2
  • #1

    Jenny (Donnerstag, 30 August 2018 11:38)

    Na, du machst es ja spannend! Habt ihr die Hüttenübernachtungen denn vorgebucht? Was kostet denn das? Ich hab so was noch nie gemacht, mich aber in Slowenien echt ein wenig verliebt ♥

    LG
    Jenny

  • #2

    Eva (Donnerstag, 30 August 2018 21:46)

    Hallo Jenny,

    der zweite Teil ist jetzt auch online :-). Wir haben die Hütten vorgebucht, einfach ein bis zwei Tage vorher angerufen. In den nächsten Wochen geht dazu aber auch noch ein Artikel online. Ja, Slowenien ist schon echt ein tolles Land!!!

    Viele Grüße,
    Eva