Muktinath mit Kind – eine unvergessliche Pilgerreise Teil I

Muktinath mit Kind
Das Tal des Kali Gandaki

Trotz unserer fünf Jahre in Nepal sind wir ja bis jetzt relativ wenig wandern gewesen –eigentlich sehr komisch, wenn man in Betracht zieht dass das eigentlich unser liebstes Hobby ist. Irgendwie hat es hier aber – bis auf den Poon Hill Trek letztes Jahr – noch nicht so richtig gepasst, weil ich ja auch immer sehr bei der Arbeit eingebunden bin und Miriam ja am Anfang auch noch sehr klein war. Im Oktober hat sich dann  aber für uns eine Gelegenheit geboten, unser Repertoire ein wenig auszubauen und diese haben wir natürlich gerne genutzt!

 

Sehr gute Freunde von uns haben eine Tour nach Muktinath mit ihrer nepalischen Familie geplant und uns gefragt, ob wir nicht mitkommen möchten. Da haben wir natürlich nicht lange überlegt und uns gleich der Gruppe angeschlossen, und die Erfahrungen die wir dann machen durften, haben wirklich alle unsere Erwartungen übertroffen!

 

Muktinath mit Kind
Unsere zwei Jeeps - sicher durch Matsch, Staub und Gerumpel

Der Weg von Beni nach Muktinath ist sozusagen die westliche Hälfte der Annapurnarunde, die ihren Höhepunkt am Thorong La Pass wenige Kilometer vor Muktinath hat. Muktinath ist ein sehr alter Pilgerort, an dem seit 3000 Jahren Anhänger des Hinduismus und Buddhismus Vergebung für ihre Sünden suchen – ein ganz spezieller Ort also. Seit kurzem gibt es eine Straße bis Muktinath, da dieser Ort vor allem auch von indischen Pilgern stark frequentiert wird. Die Trekkingtour hat dadurch natürlich an Charme verloren, für uns war dies jedoch ideal, da wir nicht den ganze Weg laufen wollten sondern uns vor allem in Jeeps fortbewegt haben. Insgesamt waren wir sieben Tage unterwegs, wir haben es ganz langsam angehen lassen und unterwegs die Dörfer erkundet!

 

Von Pokhara nach Tatopani

Am ersten Tag sind wir morgens von Pokhara mit zwei Jeeps losgefahren – immerhin waren wir mit Guide zehn Personen. Dabei waren unsere Freunde Monika und Jürgen sowie deren nepalische Familie mit den Eltern Kalpana und Shankar und den Kindern Kabita, Justina und Alok.  In Pokhara haben wir noch eingekauft, da wir ja schon wussten dass Kekse und Snacks teurer werden je höher wir kommen. In den Autos war genug Platz, so dass wir uns für die ganze Zeit versorgen konnten.

 

Muktinath mit Kind
Stau an der Furt...

Den ersten Teil des Weges kannten Miriam und ich schon, bei unserem Trek zum Poon Hill sind wir in die gleiche Richtung gefahren. Die Straße war noch ganz gut und wir sind schnell voran gekommen. Nach ca. zwei Stunden sind wir dann in Beni angekommen, und von dort ging es dann über die neue Straße in die Berge hinein. Den Unterschied hat man auch sofort gemerkt, es wurde deutlich holpriger und immer mal wieder mussten die Jeeps durch einen kleinen Fluss fahren. Das Abenteuer fing an!

 

Nach drei weiteren Stunden auf der Holperstraße, die wir immer wieder unterbrochen haben um ein Stückchen zu laufen sind wir dann schließlich an unserem Tagesziel Tatopani angekommen. Tatopani bedeutet „Heißes Wasser“, in dem Ort gibt es Thermalquellen, die die Trekker natürlich nach langer Wanderung gerne nutzen. Mir war das kleine Becken zu voll, aber Miriam hat sich den anderen angeschlossen und ein heißes Bad genossen. Abends haben wir dann in aller Ruhe unter den Zitrusbäumen im Garten unseres Guesthouses den Tag ausklingen lassen.

 

Es wird kälter – Der Weg nach Kalopani

Muktinath mit Kindern
Eine Ziegenherde auf dem Weg nach Pokhara

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Kalopani, dem nächsten Stopp auf unserer Tour. Das erste Stück sind wir wieder gelaufen. Wir mussten immer wieder großen Ziegenherden Platz machen, die aus den höher gelegenen Dörfern nach Pokhara getrieben wurden, um dort verkauft zu werden. Der wichtigste Tag vom Festival Tihar lag immer noch vor uns – und zu diesem Festtag müssen in Nepal weiterhin viele Ziegen das Leben lassen. Von Tatopani aus würden die Herden noch drei Tage brauchen – wie lange sie schon unterwegs waren konnten wir uns nur ausmalen.

 

In Kalopani sind wir nach drei weiteren Stunden ruckeln im Auto schon zum Mittagessen angekommen, so dass wir nachmittags noch einen schönen Spaziergang machen konnten. Wir sind dann auf dem Wanderweg unterhalb des Ortes durch einen schönen Wald bis zum Kali Gandaki Fluss gelaufen und haben uns dort die Zeit mit Steine Sammeln vertrieben. Auf dem Rückweg hatten wir noch einige interessante Begegnungen mit Ziegen, Büffeln und Kühen, die uns nicht immer direkt durchlassen wollten…

Miriam hat sich sofort ab dem ersten Tag mit Justina angefreundet, und nach drei Tagen waren die beiden nicht mehr zu trennen. Die beiden sind immer zusammen im Jeep gefahren und haben fast die ganze Zeit gespielt – ich glaube so viel Zeit für mich hatte ich auf einer gemeinsamen Reise noch nie. Auch mal eine interessante neue Erfahrung…

 

 

Muktinath mit Kind
Miriam und Justina - ein Herz und eine Seele... An dem Tag hatte sich der Jeep in einen Haarsalon verwandelt
Muktinath mit Kind
Der Dhaulagiri - ein unglaublicher Ausblick zum Sonnenaufgang

Kalopani liegt auf 2530 m und damit mehr als 1000 m höher als Tatopani. Das merkte man auch deutlich in den Temperaturen und ich musste zum ersten Mal meinen dicken Pullover auspacken. Als wir mittags ankamen, konnte man zwar sehen, dass der Ort von hohen Bergen umgeben ist, aber auf den Blick am nächsten Morgen war ich nicht vorbereitet. Vom Dach unseres Guesthouses aus hatte man einen perfekten Ausblick auf den Dhaulagiri, der mit 8167 m der siebthöchste Berg der Welt ist. Je höher die Sonne stieg, desto mehr Details konnte man von der massiven, schneebedeckten Wand erkennen, und ich konnte gar nicht genug bekommen! Miriam war auch draußen unterwegs und war total fasziniert von dem Berg, der plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht war.

 

Das Apfeldorf Marpha – eine neue Klimazone

Das besondere an dem Tal des Kali Gandaki, das auch das tiefste Tal der Welt ist, ist dass man eigentlich sagen kann, jedes Dorf hat eine eigene Klimazone. Tatopani ist fast noch tropisch, Kalopani dann schon trockener, und in Marpha kommt man schon in die aride Zone. Am Annapurna Massiv kann man besonders gut sehen, was die Ausrichtung von Bergen ausmacht: Im Monsun stauen sich die Wolken im Süden des Gebirges und regnen ab, während der Norden abgeschirmt wird und daher sehr trocken ist. In Tatopani regnet es in einem Monat durchschnittlich mehr als in Kagbeni im ganzen Jahr, obwohl die beiden Orte nur knapp 50 km voneinander entfernt sind… Für mich als Geographin ist das natürlich alles total spannend und Miriam hat wieder mal die eine oder andere Lektion in Klimatologie bekommen…

 

Keine Höhenangst - Miriam hat kein Problem mit Hängebrücken
Keine Höhenangst - Miriam hat kein Problem mit Hängebrücken

Am dritten Tag unserer Tour sind wir wieder zu Fuß gestartet und diesmal auf die andere Flussseite gewechselt. Dort sind wir ungefähr eineinhalb Stunden durch wunderschöne Dörfer gelaufen und haben einen richtig guten Eindruck davon bekommen, wie der Trek wohl vor der Ankunft der Straße aussah. Über eine lange Hängebrücke ging es dann schließlich wieder zurück auf die andere Seite und weiter im Jeep. Nach weiteren drei Stunden Fahrt sind wir in Marpha angekommen, unserem Tagesziel.

Alle Dörfer im Tal des Kali Gandaki waren eigentlich Handelsdörfer, da hier früher die Haupthandelsrute von Tibet nach Indien durchlief. Gehandelt wurde vor allem Salz, und viele Orte am Weg wurden sehr reich dabei. Das sieht man auch immer noch an vielen Häusern, die reich verzierte Fenster und Türrahmen und einen großen Innenhof haben – hier wurden früher die Tiere über Nacht zusammengetrieben, bevor die Karawane am nächsten Tag weiter zog. Als dann die Nachfrage nach Tibetsalz durch die Erschließung von günstigem Meersalz aus Indien selbst nachließ, wurde auch der Handel weniger und viele Menschen zogen aus den Dörfern weg. Der Tourismus hat dann wieder für ein kleines Hoch gesorgt, aber in Marpha hat vor allem der Apfelanbau die lokale Wirtschaft gerettet.

 

 

Das Klima hier ist ideal für den Anbau und die Menschen haben sich viele verschiedene Weiterverarbeitungsmöglichkeiten gesucht. Besonders berühmt (und berüchtigt) ist der Apfelbrandy, man bekommt aber auch getrocknete Apfelstücke, Marmelade, Saft und alles andere, was man sonst noch so aus Äpfeln machen kann. Dieser Teil des Annapurna Treks ist auch bekannt als der Apfelkuchentrek…

 

Muktinath mit Kind
Bewässerte Apfelplantagen bei Marpha

Nachmittags haben wir dann nochmal einen kleinen Rundgang durch das Dorf gemacht, und ich war wie verzaubert. Marpha hat auch eine ganz andere Architektur, da man hier schon den heftigen Wind spüren kann, der weiter nördlich das komplette Tal beherrscht. Die Häuser sind eng beieinander, die Gassen eng und alle Gebäude sind mit Kalk weiß gestrichen. Auf den Dächern wird Holz für den Winter gestapelt und in kleinen Läden werden die Äpfel in all ihren Variationen verkauft. Wir sind dann noch zu einem Kloster aufgestiegen, welches den Ort überblickt und hatten eine unglaubliche Sicht. Abends haben wir mit Apfelbrandy auf den tollen Tag angestoßen – einer den ich sicherlich so schnell nicht vergessen werde.

 

Sonnenuntergang über den Dächern von Marpha
Sonnenuntergang über den Dächern von Marpha
Auf den Dächern wird Holz für den Winter gestapelt
Auf den Dächern wird Holz für den Winter gestapelt

Muktinath mit Kind, Marpha mit Kind
Monika und Miriam in den Gassen von Marpha

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