Fünf Tipps für das stressfreie Wandern mit Kindern

Meine 6 jährige Tochter Miriam und ich gehen unglaublich gerne gemeinsam wandern. Wir lieben beide die Natur, genießen es, Orte zu entdecken, an die man nur zu Fuß kommt und sind einfach gerne draußen. Gerade jetzt in unserem letzen Urlaub in Slowenien ist sie ohne viel zu Mucken eine Tour gelaufen, vor der glaube ich viele Erwachsene kapituliert hätten. 700 Höhenmeter ist sie mit ihren kleinen Beinchen hochgestiegen, und oben hatte sie noch genug Kraft um am Bergsee zu spielen und später den Spielplatz am Campingplatz unsicher zu machen.(Von unserer Wanderung gibt es übrigens ein tolles Video auf unserem Youtubekanal, ich würde mich freuen, wenn ihr auch mal da vorbei schaut!)

Viele Leute sind überrascht, wie viel Miriam läuft und wie viel Spaß es ihr auch macht, aber wir haben einige einfache Strategien entwickelt, die uns viel Stress bei Wanderungen ersparen. Zuallererst möchte ich aber ein Argument entkräften, dass ich immer wieder höre. 

 

 

"Jetzt sind unsere Kinder zu klein zum Wandern - wir machen das dann später"

Mit großen Schritten ins Abenteuer - Miriam mit 18 Monaten in Norwegen unterwegs
Mit großen Schritten ins Abenteuer - Miriam mit 18 Monaten in Norwegen unterwegs

„Jetzt sind unsere Kinder ja noch zu klein, wir fangen dann damit an, wenn sie älter sind…“ Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe, aber ich glaube, damit kann es auch große Schwierigkeiten geben. Wenn ein kleines Kind keine Lust hat zu wandern, dann wird es die ja nicht plötzlich bekommen, wenn es älter ist. Ich glaube, die Liebe zur Natur und zur Bewegung in der Natur ist am leichtesten zu erlernen, wenn man ganz früh damit anfängt. Die ersten Touren mit Miriam habe ich gemacht, als sie noch kein Jahr alt war, damals natürlich noch im Tragetuch, mit eineinhalb Jahren war sie zum ersten Mal mit in Norwegen und wir sind dort von Hütte zu Hütte gelaufen. Als sie dann selbst laufen konnte, war es für sie nur der nächste natürliche Schritt, erste Distanzen selbst zu absolvieren. Und wie gesagt, mittlerweile läuft sie wie eine Große.

 

Als Miriam klein war, durfte ihre rote Schaufel nie fehlen...
Als Miriam klein war, durfte ihre rote Schaufel nie fehlen...

Wandern mit Kindern - Gute Vorbereitung ist der Schlüssel

Und vorweg noch zwei basics: natürlich sollte man mit Kindern keine gefährlichen Touren laufen, vor allem Hochgebirge mit möglichen Wetterumschwüngen oder extrem ausgesetzte Wanderungen, die man nicht abbrechen kann sollte man sich genau überlegen. Und natürlich immer die richtige Ausrüstung und  genug Essen und Trinken mitnehmen, damit man nicht auf dem ganzen Trip von den kleinen Stimmchen verfolgt wird: Mama, ich hab aber Hunger…

 

Hier also unsere fünf wichtigsten Tipps, die für uns das Wandern zu einer tollen Aktivität und nicht zu Stress werden lassen:

 

1. Sucht die richtige Wanderung aus

Auf diesen Wasserfall hat Miriam sich den ganzen Tag gefreut
Auf diesen Wasserfall hat Miriam sich den ganzen Tag gefreut

Natürlich klappt das stressfreie Wandern mit Miriam nur, wenn ich Wanderungen aussuche die auch „kindgerecht“ sind. Das heißt natürlich erst mal, sie sollte nicht zu lang sein. Eine Pauschalempfehlung ist allerdings nicht möglich. Jedes Kind ist anders, und als Eltern kann man am besten einschätzen, wie lange die Kleinen auf ihren Beinchen trippeln können. Wie gesagt, Miriam ist ziemlich fit und ich hab auch keine Angst, mit ihr Touren von 15 km anzugehen, aber sie kennt es ja auch schon. Für andere kann eine kleinere Tour von 5 km grade richtig sein, damit die Kinder sich nicht überanstrengen müssen.

 

Auch sollte man eine Tour mit schönem Ziel wählen. Einfach nur Laufen um des Laufens willen ist Kindern manchmal etwas schwer vermittelbar, aber wenn ein toller Badesee, ein aufregender Berggipfel oder ein spannendender Wasserfall am Ende warten, ist die Motivation schon gleich viel größer.

 

2. Bezieht eure Kinder in die Planung der Wanderung mit ein

Diesen "Hügel" sieht man von unserem Haus und Miriam hat sich immer gewünscht, mal hochzugehen... Und siehe da, kein Gemurre auch bei gefühlten 5000 Treppenstufen
Diesen "Hügel" sieht man von unserem Haus und Miriam hat sich immer gewünscht, mal hochzugehen... Und siehe da, kein Gemurre auch bei gefühlten 5000 Treppenstufen

Was bei uns super funktioniert ist, wenn ich Miriam an der Planung einer Wanderung beteilige. Gibt es diesen einen Berg, den man jeden Tag vom Balkon der Ferienwohnung aus sieht, diese eine tolle Burg, auf der die Freunde schon waren? Genau diese Touren solltet ihr machen. In meiner Erfahrung ist die Motivation gleich viel größer, wenn es zu einem Ziel geht, das die Kinder mit ausgewählt haben und an dem sie ein eigenes Interesse haben.

 

Auch toll ist natürlich, wenn es Wegmarkierungen gibt und die Kids unterwegs nach den richtigen Wanderkennzeichnungen suchen können. Die Aufregung darüber den nächsten roten Punkt zu finden, hat Miriam schon manches Mal über mehrere Kilometer beflügelt.

 

Seit ein paar Wochen hat sie auch einen eigenen Rucksack und ist stolz wie Oskar! Natürlich packen wir den nicht voll, aber eine kleine Wasserflasche, ihren Pulli und ein paar Kekse trägt sie jetzt immer ganz stolz selbst und fühlt sich dadurch schon wieder ein Stück größer.

 

3. Prinzessinnen, Kriege und Burgen

Storytime
Storytime

Manchmal vergeht natürlich auch meiner Tochter die Lust und sie trottet mit hängendem Kopf neben mir her und verkündet lauthals, dass das hier alles totaaaaal langweilig sei. Meistens habe ich dann aber noch ein Ass im Ärmel. Bevor wir irgendwo wandern gehen, bemühe ich mich immer ein wenig, die Geschichte und Legenden in der Region herauszufinden, so dass ich Miriam dann einiges darüber erzählen kann. Wer hat in der Burg gelebt, zu der wir unterwegs sind? Warum gab es vor 2000 Jahren einen Krieg mit der Nachbarburg? Was wurde im Mittelalter auf dem Fluss transportiert, an dem wir entlanglaufen? Wie sind die Berge entstanden, über die wir gerade klettern (in solchen Momenten denke ich mir dann immer, dass sich mein Geographiestudium doch gelohnt hat ;-)). Und während Miriam gebannt zuhört, sind wir dann auch schon angekommen…

 

4. Hört auf euer Kind

Guck mal Mama, Moos
Guck mal Mama, Moos

Vor allem, wenn man auf längere Wanderungen geht, sollte man gut auf sein Kind hören und aufmerksam sein. Meistens kann man ja doch erspüren, ob da grade nur gemeckert wird, weil die kleinen keine Lust haben, oder ob ernsteres dahinter steckt. Und dann sollte man sich auch nicht scheuen, eine Wanderung mal abzubrechen oder abzukürzen, anstatt sich und seinen Nachwuchs bis zum Ende zu quälen.

 

Als Erwachsene tendieren wir ja immer dazu, einen Tag gut durchzuplanen. Da hat man manchmal schon im Kopf, wo die erste Pause gemacht werden sollte und wie viele Brote man dort essen sollte, damit man für später noch was hat. In meiner Erfahrung sind Kinder da ganz anders, und man sollte auch nicht unbedingt versuchen, sie in unsere Planung zu zwingen. Wenn Miriam müde ist, machen wir eine Pause, wenn sie Hunger hat, dann isst sie. Das hat zwar schon mehrmals dazu geführt, dass wir unser großes Picknick dann eben am Wegesrand einen Kilometer vor dem Gipfel gemacht haben. Wenn ich versuche, sie weiter zu treiben als sie in dem Moment kann, hat das bis jetzt noch immer in einer kleinen Katastrophe geendet.

 

Meistens ist es ja auch links und rechts des Weges viel spannender, als in der Mitte… Auch da habe ich für mich herausgefunden, es ist zielführender, Miriam einfach zu lassen (auch wenn das grad unlogisch klingt). Selbst wenn sie fünf Minuten lang den Schmetterling beobachtet, der sich auf den Blättern sonnt oder nebenbei mal eben einen kleinen Damm in dem Bach baut, an dem wir entlang laufen, so bleibt sie doch dabei und geht dann irgendwann auch weiter. Natürlich muss man beim Wandern mit Kindern mehr Zeit einplanen, aber eigentlich ist ja auch der Sinn, die Natur zu genießen, mal wieder genau hinzugucken und sich zu entspannen, anstatt auf dem schnellsten Wege von A nach B zu kommen. Ich persönlich habe hier schon oft gelernt, dass ich von Miriam da noch einiges (wieder) lernen kann.

5. Seid euch in eurer Entscheidung sicher

Leider ist es heute so, dass man sich teilweise einiges anhören muss, wenn man mit seinen Kindern viel draußen ist und Wandern geht. Ist das nicht gefährlich? Ist das nicht zu anstrengend? Ist das nicht langweilig für die Kinder? Mal ganz abgesehen davon, dass ich es fast schon erschreckend finde, wie entfremdet viele Menschen heute von der Natur sind, muss man sich seiner Sache schon ziemlich sicher sein, wenn man trotzdem los will.

 

Kinder merken ja instinktiv, ob die Eltern unsicher sind, oder ob sie selbstbewusst von einer Entscheidung überzeugt sind. Und je sicherer die Eltern sind, desto sicherer die Kinder. Mittlerweile beantwortet Miriam die Fragen schon oft selbst und tönt selbstsicher: Klar kann ich das! Ihr Traum ist es, einmal auf den Mount Everest zu steigen (ich hoffe mal, das Basecamp reicht ihr :-)) und wenn sie begeistert von ihren Funden unterwegs erzählt, dann versteht auch der größte Skeptiker, dass Wandern für sie nicht langweilig ist.

 

Mit diesen Strategien sind Miriam und ich bis jetzt sehr gut gefahren und haben viele wunderschöne Touren überstanden. Geht ihr auch viel mit euren Kindern wandern? Was sind eure Tricks und Tipps? Ich freue mich auf Anregungen und neue Ideen in den Kommentaren!

 

 

Und wenn euch unser Wander - Video vom Krn See gefallen hat, hier unten ist nochmal eins von einer Tour im Lepana Tal :-).

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Kommentare: 4
  • #1

    Claudia (Sonntag, 25 September 2016 13:35)

    Toll beschrieben. Ich erinnere mich gern an die Wanderungen meiner Kindheit mit Rindenbootrennen im Bach, der unseren Weg kreuzte.
    Mit Freunden und deren Kindern klappten Wanderungen immer prima. Voraussetzung dabei ist natürlich, wie du so toll beschrieben hast, dass die Kinder auch am Wegesrand entdecken und beobachten dürfen - und als Erwachsener deren spannende Entdeckungen teilt!

  • #2

    Johanna (Sonntag, 25 September 2016 21:33)

    Das ist so gut. Zwar weiß ich das meiste irgendwie, aber verliere es dann immer wieder aus den Augen. Weil es heiß ist, und ich ankommen will oder sowas blödes. Ich finde es voll schön, dass ihr so unterwegs seid, wir treffen auf Wanderungen so selten andere Familien.

  • #3

    Nicole (Sonntag, 25 September 2016 21:38)

    Hallo, wir gehen recht oft cachen mit meinem Sohn 3.5 und unserem Hund. Und wenn es die Zeit erlaubt sind die Touren auch etwas länger, ich meine aber wir sind selten mehr als zehn Kilometer gelaufen....Und meist muss das Laufrad noch mit

  • #4

    Eva (Dienstag, 27 September 2016 13:39)

    Vielen Dank für eure lieben Kommentare. Ja, ich bin auch schon früh mit meinen Eltern unterwegs gewesen, wahrscheinlich war es deshalb auch nie für mich eine Frage, das auch mit Miriam zu machen. Cachen ist auch eine gute Idee, das werden wir vielleicht auch mal ausprobieren!