Lo Manthang – Stadt im Zeichen der Klöster

Kind auf Dachterrasse
Miriam über den Dächern von Lo Manthang

Nachdem wir am vorherigen Tag ja alle unsere Kräfte gebraucht hatten, um von Tsarang nach Lo Manthang zu wandern, haben wir es heute ruhig angehen lassen. Unser ursprünglicher Plan war es, uns morgens die drei Kloster in der Stadt anzugucken und nachmittags den Ort auf eigene Faust zu erkunden und ein wenig shoppen zu gehen. Nach einem leckeren Frühstück mit Pfannekuchen und Kaffee waren wir dann auch schon startklar, bis Arjun uns bremste: morgens war ein Mönch aus dem Kloster vorbei gekommen und hatte mitgeteilt, dass bis drei Uhr niemand da sein Würde, da alle zu einer Puja im Nachbarort gegangen waren.

 

Wir haben dann unsere Planung eben umgedreht und haben unsere Stadtbummel morgens gemacht. Gisa und ich hatten am Vortag schon ein Tor in der Stadtmauer gefunden, als wir eine Möglichkeit zum Telefonieren gesucht hatten. Von unserem Guesthouse wollten wir also wieder rechts herum gehen, als wir dann allerdings am Straßenende einen Jeep entdeckten. Irgendwie kamen die Leute, die darum standen uns bekannt vor, und nach einem kurzen Moment wurde uns allen klar: das waren die Typen, die uns in Tsarang die Nacht zur Hölle gemacht hatten. Offensichtlich war ihr Jeep kaputt gegangen und sie waren seit zwei Tagen in Lo Manthang gestrandet. Ganz ehrlich konnte ich mir ein bisschen Schadenfreude nicht verkneifen…

 

Auf der Suche nach dem Stadttor

Da wir den Typen allerdings nicht nochmal über den Weg laufen wollten, sind wir einfach links abgebogen. Lo Manthang ist so klein, dass wir uns dachten wir werden uns schon zurechtfinden. Nachdem wir einige Zeit an der Stadtmauer entlanggelaufen waren, erinnerte ich mich allerdings wieder: Die Stadt hat ja nur ein Tor. Wir mussten dann also einmal komplett außen herum gehen, um dann doch wieder an dem gleichen Tor anzukommen, durch das wir am Vortag schon gegangen waren. Naja, aber wir hatten ja Zeit und wollten die Stadt ja auch kennenlernen!

 

Man konnte die Stadt dort durch ein tunnelartiges Tor betreten. Gleich am Anfang fanden wir auch einen der wenigen geöffneten Läden, in dessen Fenster ein Künstler ein großes Thankabild ausmalte. Drinnen gab es unzählige wunderschöne Bilder zu sehen und der Künstler erklärte uns, dass er in den Sommermonaten bei der Restaurierung der Wandbilder in den Klöstern hilft, und in den Wintermonaten eben selbst Bilder malt. Die Farben die er benutzt stellt er selbst aus Steinpigmenten aus der Region her und mischt sich dann alle aus wenigen Grundfarben zusammen. Jeder von uns hat sich sofort in ein bestimmtes Bild verliebt, so dass wir eine Stunde später jeder mit einer gut verschnürten Rolle den Laden wieder verließen. Miriam hat für uns ein schönes Mandala mit kräftigen Farben ausgesucht, und ich freue mich schon darauf, es in Kathmandu in unserem Zimmer aufzuhängen.

 

Weiter ging es für uns durch die Stadt. Da natürlich immer noch Vorsaison war, war diese aber ein wenig verlassen. So gut wie alle Läden waren geschlossen, und nur einige alte Menschen ließen sich blicken. Ein Schmuckladen machte dann extra für uns auf und als ich dem alten Mann dort eine Kette für Miriam abkaufte, sagte er mir das sei sein erster Verkauf des Jahres. Ich glaube, der Eindruck den man bekommt, wenn alles dort offen ist, ist wirklich anders.

 

Kind in Straße von Lo Manthang
Miriam hat etwas interessantes oben entdeckt...
Drei Chorgen mit Gebetsfahnen Lo Manthang
Diese drei Chorten sollen Lo Manthang vor bösen Geistern schützen

Chorten in Lo Manthang
Die Straßen in Lo Manthang sind voll mit Stupas und Chorten
Gebetsmühlen in Lo Manthang
Gebetsmühlen in Lo Manthang

Nach einem kleinen Spaziergang entlang von Mane Wänden und Gebetsmühlen sind wir dann schließlich zurück zu unserem Guesthouse gegangen, um uns dort mit einer Nudelsuppe aufzuwärmen. Leider war der Tag nicht so klar wie die vorherigen und ohne Sonne war es richtig kalt. Ich habe mich dann noch ein bisschen ins Bett gelegt, aber meine Mutter, Gisa und Miriam haben draußen versucht die wenigen Sonnenstrahlen einzufangen. Um drei Uhr war es dann endlich soweit und wir konnten wieder los – und zu dem Zeitpunkt waren wir alle so ausgekühlt, dass wir auch froh um jedes bisschen Bewegung waren.

 

Von Kloster zu Kloster - ein Nachmittag in Lo Manthang

Eintrittskarte Lo Manthang
Eine handliche Eintrittskarte für die drei Kloster - passt in jede Handtasche...

Im ersten Kloster trafen wir dann den Mönch mit der Schlüsselgewalt, der uns auch die Eintrittskarte verkaufte. In Lo Manthang muss man eine Kombikarte für alle drei Klöster und ein Museum kaufen, und diese Kombikarte war grösser als ein DIN A 4 Blatt. Als ich sie sah hab ich ganz trocken gesagt: Oh, die ist aber klein! Und wiedermal konnte man den Unterschied zwischen Nepalischem und Deutschem Humor gut sehen: keiner der Nepalis lachte, während wir Deutschen uns alle nicht mehr ein bekamen. Sarkasmus ist eben nicht jedermanns Sache…

 

Ein weiterer Mönch zeigte uns dann den Weg zum ersten Kloster. Alle Klöster in Lo Manthang wurden im 14. Jahrhundert erbaut, da der zweite König von Mustang sehr religiös war und den Buddhismus in seinem Land fördern wollte. Auch in den Kloestern war allerdings Vorsaison. Während im Sommer mehr als 150 Mönche hier leben, so halten im Winter nur drei Personen die Stellung. Die Teppiche, Instrumente und viele Bilder waren sicher verstaut und am Rand aufgehäuft, so dass die großen Räume ein wenig wie Lagerhallen aussahen. Natürlich konnten wir die Statuen und die wunderschönen Wandbemalungen sehen, aber im Sommer ist das Ganze sicherlich noch beeindruckender.

 

Kind neben kleiner Tür
Sogar Miriam müsste sich durch diese Tür bücken
Gebetsflaggen Lo Manthang
Gebetsflaggen findet man überall

Das zweite Kloster trotz Vorsaison jetzt schon „in Gebrauch“, allerdings nur sporadisch. Hier befand sich auch die Klosterschule und damit herrschte ein wenig mehr Leben, auch wenn die meisten Schüler noch nicht angekommen waren. Man konnte gut die filigranen Butterstatuen sehen, die die Mönche als Opfergaben herstellen und der Weihrauch der Morgen-Puja lag noch in der Luft.

 

Im dritten Kloster durften wir dann auch aufs Dach, allerdings nicht in den zweiten Stock. Hier befanden sich die geheimen Statuen des Klosters, die niemand sehen durfte. Von oben hatte man einen schönen Blick über die Dächer von Lo Manthang. Das Wetter zog sich allerdings immer mehr zu und die Wolken lagen bedrohlich über der Stadt.

 

Dunkle Wolken lagen über der Stadt. Die Treppe rechts führt in die verbotene dritte Etage, in der besonders heilige Statuen aufbewahrt werden.
Dunkle Wolken lagen über der Stadt. Die Treppe rechts führt in die verbotene dritte Etage, in der besonders heilige Statuen aufbewahrt werden.
vier Menschen in den Straßen von Lo manthang
Miriam mit Arjun, Deepak und Keshab
Gruppe in Lo Manthang
Gruppenfoto vor roter Wand :-)

Da ist mir nochmal klar geworden, wie anders man die wunderschöne Landschaft auch erleben kann, wenn das Wetter nicht so mitspielt. Wir hatten vorher immer Glück und bis auf den ersten Tag super Wetter. Der Himmel war immer blau und der Wind nicht allzu schlimm – ideale Konditionen. Wenn die Wolken aber tief hängen und es gar nicht richtig hell wird, sieht das Ganze richtig bedrohlich aus. Plötzlich konnte ich gut verstehen, warum die Menschen in Mustang über jeder Tür Schutzsymbole angebracht hatten, damit Geister nicht in die Häuser eindringen konnten und warum jede Ansiedlung von vielen Chorten geschützt wurde. Ich hatte auch gelesen, dass die Türen der Häuser so klein sind, damit große Geister und Zombies nicht hinein können – offensichtlich können sich Zombies nicht bücken. Aber wirklich, plötzlich konnte ich mir auch vorstellen, dass die Landschaft auch noch anderen Wesen ein zu Hause gibt und ich war froh, am Abend in der Dunkelheit in unserer schönen Herberge drinnen zu sein, und das Heulen des Windes nur noch leise zu hören.

 


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