Von Chugsang nach Samer – hoch hinauf in Mustang

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Die Aussicht auf Chugsang von Chele

Nachdem wir in Chugsang mit leichtem Schneefall angekommen waren und kaum die Umgebung bewundern konnten, da es sehr nebelig war, erwartete uns am nächsten Morgen eine große Überraschung: Unser Hotel lag direkt am Kali Gandaki und der Ausblick auf die roten Klippen, für die Mustang so berühmt ist, war atemberaubend. Guckte man rechts das Tal hinauf konnte man schon den nächsten Ort Chele in der Ferne erkennen, links hinunter lag das weit offene Tal und erschien unendlich.

 

Erste Etappe bis Chele – Shaligram und lange Brücken

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Über Metallbrücken geht es über das plötzlich ganz enge Tal des Kali Gandaki

Wir waren von Arjun gewarnt worden: heute würde es bergauf gehen. Unser Tagesziel war Samer, ein kleiner Ort etwas mehr als 600 Meter höher als Chugsang. Der Anfang war noch sehr leicht, da wir die ersten Kilometer im Tal des Kali Gandaki laufen konnten. Arjun hatte dann das große Glück, direkt ein Shaligram zu finden, eine Versteinerung eines Meerestieres die von den Hindus als Verkörperung von Shiva verehrt wird.

 

Weiter ging es in Richtung Chele, wo sich das Tal deutlich verengt und eine ganz andere Charakteristik hat. Nachdem wir zwei lange Metallbrücken überquert hatten und einen Blick in das –plötzlich ganz enge – Flusstal werfen konnten, hieß es zum ersten Mal Höhenmeter machen: Wir mussten nach Chele aufsteigen. Zum Glück gab es eine Straße, auf der die Steigung nicht so stark war und wir sind langsam immer höher gestiegen, während unsere Porter Deepak und Keshab, Arjun und Miriam die Schussvariante gewählt haben und schon oben auf uns warteten.

 

In Chele haben wir dann eine kurze Teepause eingelegt, um uns vor der großen Steigung zu stärken. Ich habe einen schnellen Abstecher in das schöne Dörflein gemacht und konnte ein paar schöne Fotos mit dem Nilgiri im Hintergrund machen. Am Dorfbrunnen entdeckte ich dann einen kleinen Jungen, der ganz in das Spiel mit dem Wasser vertieft war und mich kaum bemerkte. Viele Dörfer in Upper Mustang werden fast nur noch von den Alten und den ganz Jungen bewohnt, da es außer dem Tourismus kaum Einnahmequellen gibt. Viele junge Leute verlassen das Gebiet um Arbeit in den größeren Städten oder im Ausland zu suchen und die Jugendlichen gehen auf Internate, da es kaum weiterführende Schulen gibt. Vor allem jetzt in der Vorsaison waren viele Dörfer wie ausgestorben.

 

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Mit Wasser zu spielen ist doch am schönsten...
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Huch, da ist ja jemand mit einer Kamera :-)

Unglaubliche Aussichten

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So oder so ähnlich stelle ich mir die Oberfläche des Mars vor...

Nach einem leckeren Tee ging es dann weiter und die große Steigung fing an. Wir haben uns gegen die Abkürzung entschieden, die deutlich steiler, aber mehrere Kilometer kürzer gewesen wäre. Abends haben wir erfahren, dass diese Entscheidung goldrichtig war: zwei Schweizer die wir im Guesthouse trafen berichteten dass der Weg nur aus losem Geröll bestand und dann auf der Hälfte im Nichts endete – die beiden mussten umkehren und doch Straße laufen. Ganz langsam haben wir so Höhenmeter nach Höhenmeter überwunden und uns immer weiter den Berg hochgeschoben. Jede Ecke offenbarte neue tolle Aussichten auf schneebedeckte Berge und tiefe Täler. Je weiter wir in das Gebiet Upper Mustang vordrangen, desto trockener wurde es und desto verrückter wurde die Landschaft. Manchmal hatte ich das Gefühl, wir wären auf dem Mars so außergewöhnlich waren die Felsformationen.

 

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Viele Pausen waren nötig auf unserem Weg nach oben

Obwohl 600 Höhenmeter eigentlich ja gar nicht so viel sind, so fiel es uns doch in der Höhe deutlich schwerer, diese zu überwinden. Chugsang liegt auf 2950 m, und bis nach Samer mussten wir auf 3550 m hinauf. Wir mussten viele Pausen einlegen und immer wieder Wasser trinken – das ist besonders wichtig, um sich gut zu akklimatisieren. Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf Miriam bin, dass sie auch diesen Tag wieder so toll hinbekommen hat, sie hat jeden neuen Ausblick genauso genossen wie ich und hat die 14 km ohne ein Wort des Meckerns hinter sich gebracht.

 

Endlich oben - die Sicht vom Pass

Als wir schließlich - ziemlich verausgabt - den Pass erreicht hatten, hat es mir fast die Sprache verschlagen. Rund um hatte man von hier einen Ausblick auf schneebedecke Berge und die Mustang Ebene im Norden und es war einfach nur wunderschön. Hätte der Wind nicht gerade hier so eiskalt gepfiffen, so hätte ich hier sicherlich längere Zeit den Ausblick genossen.

 

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Unglaubliche Aussicht vom Pass aus. Nicht zu sehen auf dem Foto: der eiskalt pfeifende Wind, der uns schnell wieder runter getrieben hat...
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Mein absolutes Lieblingsbild von Miriam. Trotz aller Anstrengungen immer ein Lachen im Gesicht!

Sonnenuntergang in Samer

Vom Pass aus ging es dann zum Glück nur noch ein wenig abwärts ins Tal bis wir schließlich Samer erreichten. Der kleine Ort liegt in einer Senke und wir haben im ersten Guesthouse Quartier bezogen. Nach einem sehr späten Dal Bhat zum Mittagessen, das wir alle auch wirklich nötig hatten haben wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort gemacht.

 

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Ein schnelles Gruppenfoto vor dem Abstieg...
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Auch unsere Träger waren froh, als wir endlich angekommen waren

Wir sind zu einem Aussichtspunkt aufgestiegen, von dem aus man die zerklüftete Landschaft im Licht der untergehenden Sonne nochmal toll bestaunen konnte. Ich habe sicherlich zwanzig Minuten einfach nur da gestanden und meine Augen über das Wunder vor mir schweifen lassen. Jedes Tal verzweigte sich in unendlich viele Seitentäler, überragt von schneebedeckten Bergen und Gletschern, die sich bergabwärts schoben. Unter mir zirkelten Raubvögel im Tal und vom Dorf wehten leises Glockengeläut herüber – die Pferde und Kühe, die tagsüber draußen grasen durften, wurden von ihren Besitzern in ihre Ställe getrieben. Am liebsten wäre ich für immer an diesem Platz geblieben.

 

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Im Licht der untergehenden Sonne sah die Landschaft nochmal ganz anders aus
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Der kleine Ort Samer am Nachmittag
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Sobald die Sonne untergegangen ist, ist der Platz am Ofen der begehrteste

Zurück im Guesthouse haben wir uns dann alle in der Küche um den Ofen gekuschelt. Sobald die Sonne unterging wurde es empfindlich kalt und das Feuer war sehr willkommen. Wiedermal hatten wir Glück, dass wir so früh unterwegs waren, da es keine anderen Gäste gab und wir mit der Familie zusammen essen durften. Ein unglaublich anstrengender, aber auch sehr schöner Tag ging so zu Ende.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Eka (Mittwoch, 18 April 2018 11:59)

    It sounds so amazing, can nearly smell and feel the fresh mountain air when I read your story. So wish we could have been there.

  • #2

    Eva (Mittwoch, 18 April 2018 12:11)

    Dear Eka,

    it was amazing! And definitely not our last time up there, so maybe next time you can join :-)