Ilha Grande – Ohne Geld auf der Insel gestrandet

Ilha Grande mit Kind
Miriam auf der Überfahrt nach Abraao

Nach unseren erholsamen drei Tagen in Paraty sind Miriam als letzten Stopp in Brasilien noch für zwei Tage zur Ilha Grande gefahren. Diese Insel liegt zwischen Paraty und Rio vor der Küste und es gibt dort keine Autos. Das Landesinnere ist noch ein richtiger Dschungel, und man kann sich nur fortbewegen indem man ein Taxiboot nimmt.

 

Vorher hatte ich an einigen Stellen gelesen, dass es auf der Ilha Grande keine Geldautomaten gibt, man muss also genügend Bargeld mitnehmen. Ich bin also extra in Paraty nochmal zur Bank gegangen, um nicht auf der Ilha Grande zu stranden und fühlte mich gut ausgerüstet.

 

Unser Hotel fiel in die Kategorie Glück gehabt. Ich hatte ja wiedermal keine Ahnung, was uns auf der Insel erwartet und bin einfach nur nach dem Preis und den Empfehlungen gegangen. Erst am Tag vor Anreise habe ich realisiert, dass das Hotel nicht im Hauptort Abraão liegt, sondern an einem einsamen Strand, an den wir erst noch mit einem Taxiboot fahren mussten. Zuerst hab ich mich total geärgert, da das ja nur noch Zusatzaufwand bedeutete und wir all unser Gepäck mithatten. Als wir dann aber am Pier ankamen, war ich nur noch froh, dass wir dort nicht bleiben mussten. Gerade hatte ein Kreuzfahrtschiff angelegt und schüttete nun seine Ladung aus, es war laut, voll und absolut nicht die Erholung, die ich mir erhofft hatte. Nach ein wenig Diskussion haben wir dann ein Taxiboot gefunden und haben uns dann von dem wuseligen Ort Abraão verabschiedet, ohne einmal zurückzugucken.

 

Mit dem Taxiboot zum Palmas Beach

Palmas Beach auf der Ilha Grande - ein absoluter Hafen der Ruhe
Palmas Beach auf der Ilha Grande - ein absoluter Hafen der Ruhe

In einem Affentempo sind wir dann losgefahren und ich hatte zwischenzeitlich Angst, dass Miriam wegfliegen würde. In die dritte Bucht sind wir dann schließlich eingebogen und drei Jungs haben uns netterweise geholfen, unser Gepäck trocken auf den Strand am Palmas Beach zu bekommen.

 

Unser Hotel  Palmas Roots Hostel war echt ein Glücksfall, sehr einfach, aber wunderschön. Wir hatten das Afrikazimmer, welches sehr schön dekoriert war. Vom Fenster des Aufenthaltsraums konnte man direkt auf den Strand blicken und es gab eine sehr nette Sitzecke. Aline, die Besitzerin war sehr freundlich und zuvorkommend und mit einer Mischung aus English, Spanisch und Portugiesisch haben wir uns gut verständigen können. Man kann dort Bootstouren buchen und im Preis für das Zimmer ist eine Stunde Kajak oder SUP am Tag gratis dabei, was Miriam und ich natürlich ausgenutzt haben. Wenn ich gewusst hätte, dass das Hotel so weit weg vom „Zentrum“ der Insel ist, hätte ich es wahrscheinlich nicht gebucht, aber im Endeffekt war es ein absoluter Glücksfall, da wir so wirklich unsere Ruhe hatten und uns erholen konnten!

 

Schnorcheln, schwimmen, faulenzen - Ilha Grande mit Kind

Die nächsten zwei Tage haben Miriam und ich am Strand verbracht, geschnorchelt, geschwommen, gespielt und einfach die Seele baumeln lassen. Einige Buchten entfernt sollte zwar der schönste Strand Brasiliens liegen, wir hatten nach den anstrengenden letzten Wochen aber absolut keine Lust mehr, uns weiter zu bewegen als nötig und sind einfach vor Ort geblieben.

 

Ilha Grande mit Kindern
Miriam in ihrem Element :-)

Am zweiten Tag haben wir am Strand eine brasilianische Familie getroffen, mit deren drei Kindern Miriam sich natürlich sofort angefreundet hat. Die vier konnten sich zwar mit Sprache überhaupt nicht verständigen, haben aber trotzdem immer Wege gefunden und haben den ganzen Tag zusammen im Wasser getobt. Echt schön anzusehen, wie flexibel Miriam da ist. Der Vater war dann ganz begeistert als er hörte, dass wir aus Deutschland kommen und ist natürlich sofort auf das verhängnisvolle Fußballspiel bei der WM zu sprechen gekommen. Das Trauma der 6:0 Niederlage sitzt wohl in Brasilien weiterhin tief, obwohl er meinte dass die Deutschen ja noch Gnade bewiesen hätten. Seiner Meinung nach hätten sie auch locker 10:0 gewinnen können...

Oh Schreck - das Geld ist alle

Ilha Grande mit Kind
Super lecker, aber leider auch sehr teuer - essen auf der Ilha Grande

Leider hatte ich mich aber bezüglich des Geldes doch verrechnet… So schön die Insel auch ist, so teuer ist sie doch auch und wir sind sehr schnell an die Grenze unserer Finanzmittel gekommen…  Zum Glück konnten wir unser Essen auch in Dollar bezahlen, so dass wir nicht hungern mussten, aber die Bootsfahrt zurück zum Festland stellte sich als riesen Problem heraus. Ich hatte zwar im Vorhinein eine Bootspassage von Abraão zum Festland gebucht, allerdings mussten wir ja erst mal nach Abraão kommen. Ich hatte mit dem gleichen Preis gerechnet, den wir auf der Hinfahrt bezahlt hatten und das Geld sicher deponiert, es stellte sich dann aber heraus, dass dieser Preis nur gilt, wenn mehr als 6 Personen im Taxiboot sitzen. Bei weniger Personen gibt es einen Festpreis, der bei dem vierfachen lag. Natürlich waren wir die einzigen weit und breit die an genau dem Tag zurück mussten, und ich hatte einfach das Geld nicht mehr. Ich habe schon angefangen zu überlegen zu laufen, aber das hätte Stunden gedauert und ich hätte auch nicht gewusst, wie ich unser Gepäck durch den Dschungel hätte schleifen sollen.

 

Ilha Grande mit Kind
Geschafft - Miriam im Taxiboot

Im letzten Moment haben wir dann zum Glück ein Paar kennengelernt, das am nächsten Tag auch zurück musste, allerdings hatten die ein Boot direkt zum Festland gechartert und nicht nach Abraão. Egal dachte ich mir, ich kann ja bestimmt in unseren Bus auch direkt auf dem Festland einsteigen. Die beiden haben uns dann noch zum Essen eingeladen und aus Höflichkeit haben wir dann den Abend mit ihnen verbracht – eine sehr interessante Erfahrung. Er arbeitete bei einer Ölfirma, sie war seine brasilianische Geliebte (haben die beiden so gesagt), und er hat sich einen Mojito nach dem nächsten reingeschüttet. Irgendwann wollte er dann mit mir über Politik diskutieren und wie super doch Brexit wäre… Als er dann anfing Breitbart Artikel als Beweis dafür zu zitieren, dass Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik Deutschland ruiniert hätte, habe ich die Notbremse gezogen und mich verabschiedet – irgendwann reicht es dann auch.

 

Am nächsten Tag sind wir dann morgens mit den beiden im gecharterten Boot aufs Festland gefahren und ich konnte die Fahrt gerade noch mit meinen letzten Reais bezahlen.  Der Typ war total verkatert und ist dann oben drauf auch noch seekrank geworden – Mitleid hatte ich allerdings keins mit ihm. Trotz dem etwas schrägen Abend war ich dann aber doch dankbar, dass die beiden uns mitgenommen haben und uns von der Ilha Grande gerettet haben – sonst säßen wir wahrscheinlich immer noch dort fest :-).

 

Für mehr bewegte Bilder guckt euch doch unser Video von unserem Strandtag auf der Ilha Grande an - macht definitiv Fernweh :-).

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