Von Buenos Aires nach Rio de Janeiro – Nervenzusammenbruch inklusive

Fliegen mit Kindern, Reisen mit Kindern, Von Buenos Aires nach Rio
Am Anfang waren wir noch hoffnungsvoll...

Wie schon im letzten Jahr war der ursprüngliche Aufhänger unserer Reise auch dieses Mal wieder die OnSustainabilty Konferenz, diesmal in Rio. Nach unseren sechs Wochen in Patagonien mussten wir also irgendwie nach Rio de Janeiro kommen, damit ich pünktlich für meine Präsentation dort sein könnte. Den Flug für unsere speziellen Daten zu finden war schon schwierig genug, und um nicht zu tief in die Tasche greifen zu müssen, haben wir uns schließlich für eine etwas risikoreiche Variante entschieden: Wir sollten erst morgens um acht ankommen, so dass mir vier Stunden bleiben würden, um zur Konferenz zu kommen. Da unser Hotel aber in direkter Nachbarschaft zum Konferenzort war, sah ich da kein großes Problem.

 

Frohen Mutes sind wir dann also am Abend in Buenos Aires zum Flughafen gefahren. Ich kam mir total klug vor, da ich extra Mal daran gedacht hatte, alle meine Sachen für die Konferenz im Vorhinein zusammenzusuchen und in eine spezielle Tasche zu packen. Mit in der Tasche: Miriams Badesachen, damit meine Mutter mit ihr direkt in den Pool gehen könnte, auch wenn wir eventuell erst später einchecken könnten.

 

Der erste Flug von Buenos Aires nach Sao Paolo war in Ordnung, auch wenn wir unglaublich viel Zeit in Schlangen verbracht haben, weil alles ewig dauerte. Leider konnte ich aber nicht schlafen und ganz schnell waren wir dann schon am Ziel angekommen. Miriam war natürlich nicht unbedingt glücklich, jetzt wieder aufstehen zu müssen, aber mit ein bisschen Überredungskunst habe ich sie dann dazu bekommen und wir wollten unser Gepäck abholen. Unser nächster Flug war mit einer anderen Airline, da es nur noch ein Inlandsflug war und ging daher auch von einem anderen Teil des Terminals. Durchchecken ging da nicht.

 

Unsere Rucksäcke kamen ziemlich schnell, aber von der tollen Extraspezialtasche keine Spur. So langsam leerte sich die Halle und schließlich waren wir und drei andere die letzten am Band. Irgendwann kam ein kleiner hektischer Mann vorbei, der uns an einen anderen Ausgang gescheucht hat. Dort haben dann alle anderen ihre Taschen eine nach der anderen durch eine Luke ausgehändigt bekommen, aber leider nicht wir. Ein letzter Verzweifelter hat dann sein Gepäck auf dem Band eines anderen Fluges gefunden, und dann standen wir allein da. Also hieß es erst mal, den Verlust anzugeben. Mittlerweile wurde es nämlich sogar ein wenig knapp für unseren Anschlussflug. Mit der Vermisstenanzeige für unsere Tasche in der Hand ging es dann raus, und direkt wieder in die nächste Schlange. Zum Glück wurden da dann bald weitere Schalter eröffnet und wir konnten wenigstens einchecken. Kurz vor knapp haben wir dann noch alles geschafft und saßen wieder im Flieger.

 

Mit ein bisschen Ruhe ist mir dann erst mal klar geworden, was dass jetzt alles heißt: Ich habe ein paar schicke Schuhe für sechs Wochen durch Patagonien geschleppt, und jetzt kann ich sie nicht anziehen. Meine Schuhauswahl für die Präsentation meiner Doktorarbeit war jetzt zwischen Flip Flops und Wanderschuhen. Mein Rock war weg, meine Blusen, alles Schicke was ich extra nur für diesen Vortrag mit hatte, war in der Tasche.

 

An Schlaf war also wieder nicht zu denken, ich habe immer wieder meine Optionen im Kopf hin und her gewälzt. Wenigstens wären wir bald angekommen, ich hatte einen Abholservice vom Hotel organisiert und dann würde mir noch ein kleines wenig Zeit bleiben, um mich vorzubereiten.

 

Als wir dann also in Rio angekommen sind, sind wir totmüde und schon ziemlich genervt durch die Tür geschritten und haben nach unserem Namensschild Ausschau gehalten. Aber da war nix… In dem Moment habe ich echt gedacht, es kann alles nicht wahr sein. Auch nach drei Touren durch die Empfangshalle blieb das Ergebnis gleich: Kein Abholservice für Familie Wieners. Die Uhr tickte und so langsam hatte sich mein Zeitpuffer in nichts aufgelöst. Ich habe dann also schnell ein anderes Taxi gesucht, der kannte auch das Hotel und hat uns dann kompetent direkt in den nächsten Stau gesteuert. Und dann standen wir, und standen, und standen. Innerlich hatte ich mich schon damit abgefunden, dass ich wohl meinen Vortrag verpassen würde, da es mittlerweile nach 10 Uhr war – weniger als eine Stunde bis zu meinem Einsatz.

 

Irgendwann ging es dann aber doch weiter und wir kamen endlich am Hotel an. Dort hatten wir dann zum ersten Mal auf dieser Höllenreise Glück: Da die unseren Abholservice verbockt hatten, haben sie uns umsonst das Zimmer schon morgens zur Verfügung gestellt, statt erst um zwei. Also sind wir schnell hoch, Miriam ist sofort auf dem Bett eingeschlafen und meine Mutter hat ihre letzten Blusen aus dem Rucksack gekramt. In Flip Flops und ihren Anziehsachen bin ich dann aus dem Hotel gestürmt, ins nächste Taxi und konnte mich dann echt fünf Minuten vor meinem Vortrag registrieren. Pünktlich um 11.20 Uhr stand ich dann vor einem Raum voller Menschen und hielt meinen Vortrag. Und danach war ich nicht ein Mal mehr in der Lage, zusammenhängende Sätze zu sagen, weil ich so fertig war.

 

Im Endeffekt ist unsere Tasche dann drei Tage später – am letzten Tag der Konferenz – wieder bei uns im Hotel eingetrudelt. Meine Schuhe sind also ungetragen wieder zurück nach Deutschland gereist… Ein nettes Extra war, dass wir nach zwei Tagen auf Kosten der Airline shoppen gegangen sind, da uns einfach viele Dinge fehlten. Aber trotzdem, so einen Stress brauche ich nicht nochmal…

 

Und wenn ihr wissen wollt, was wir in Rio nach der Konferenz noch so gemacht haben, schaut euch doch das Video an :-).

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Alexandra (Donnerstag, 20 April 2017 16:21)

    Hi oh je das hört sich ja nach einem Horrotrip an. Wir hatten bis jetzt immer Glück wenn wir mit unseren Kinder gereist sind. Alleine ode mit meinem Mann sind mir auch schon solche Horrogeschichten begegnet. Aber dieser Nervenkitzel macht das Reisen ja auch irgendwie aus. Man lernt nie aus.
    VG Alex von http://margreblue.de/

  • #2

    Myriam (Samstag, 22 April 2017 01:02)

    Als wir 2015 von Havanna über Moskau nach Frankfurt geflogen sind, weil es 50% günstiger war, hatte ich zum Glück alle wichtigen Sachen in meinem Handgepäck Trolley. Waschzeug, Zahnbürste und Wechselklamotten. Aufgrund des Wetters wurde unser Anschlussflug verschoben, weil es in FFM ja ein Nachtflugverbot gibt. Und da wir kein Visa für Russland hatten, durften wir den Flughafen nicht verlassen und bekamen "freundlicherweise" von Aeroflot einen Verzehrgutschein in Höhe von 6 EUR und den Zugang zur Business-Lounge. So konnten wir wenigstens duschen. Das Bordpersonal war so freundlich, echt unglaublich, dass das Bodenpersonal so unfähig war. Daraus habe ich gelernt, dass ich immer ins Handgepäck alles wichtige reintue, sodass ich nach dem Verlust des Aufgabegepäcks noch immer etwas habe. Daher nehme ich seit letztem Jahr auch immer eine Tasche, die ich untern Sitz stellen kann, da Trolleys ja oft als Free Gate Bag noch abgenommen werden.
    LG Myriam