Muktinath mit Kind - eine unvergessliche Pilgerreise Teil II

Muktinath mit Kind
Der Blick das Tal des Kali Gandaki hinauf, bevor der Wind losfegt

In Teil 1 dieses Textes habe ich die ersten drei Tage unseres Abenteuers auf der Annapurna Runde in Nepal beschrieben – hier kommt jetzt der zweite Teil.

 

Von Marpha aus sind wir am vierten Tag wieder losgelaufen – in den höher gelegenen Dörfern hat man nur ein sehr kleines Zeitfenster um sich draußen aufzuhalten. Ab zwölf Uhr fegt ein unglaublicher Wind durch das Tal, der Staub und teilweise auch kleine Steine aufwirbelt – im Flussbett möchte ich nachmittags nicht unterwegs sein. Wir haben also den Morgen genutzt und sind ca. eine Stunde lang gelaufen, bevor wir das letzte Stück nach Jomsom wieder mit dem Jeep zurück gelegt haben. Es haben sich echt tolle Blicke das Tal hinauf und in die Seitentäler geboten, eine ganz besondere, karge Landschaft, die aber trotzdem eine riesige Faszination auf mich ausübt.

 

Jomsom ist die Distrikthauptstadt von Mustang, hat also alle Verwaltungsbehörden usw. Und es gibt hier den Flughafen, von dem aus man in einem Miniflugzeug nach Pokhara fliegen kann. Wir haben auch so einige Maschinen beim Landen und Starten beobachtet, und ich muss doch zugeben dass das nichts für mich ist. Fliegen in großen „normalen“ Flugzeugen finde ich nicht schlimm, aber in diese Sardinenbüchsen können mich keine zehn Pferde bringen. Wir haben ein beim Landeanflug gesehen, welches doch sehr kurz vor der Flanke des Tals eine enge Kurve geflogen ist, und ich glaube wenn ich da drin gesessen hätte, hätte ich einen Herzinfarkt bekommen… Außerdem habe ich mittlerweile wahrscheinlich einfach zu viele Berichte von Unfällen gelesen – und die passieren eigentlich immer an diesen Miniflughäfen mit den Miniflugzeugen.

 

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Und dann war er da, der Wind... Frisur sitzt trotzdem, oder?

Von Jomsom aus war es dann nur noch eine Stunde bis nach Kagbeni. Das letzte Stück sind wir dann wieder gelaufen, diesmal aber im Flussbett des Kali Gandaki. Der Wind hatte schon nachgelassen und wir haben dort Steine gesucht. Im oberen Teil des Tales finden sich viele eingeschlossene Fossilien, einer der Gründe warum Muktinath bis heute ein Pilgerort ist. Die Hindus glauben nämlich daran, dass die Fossilien ein Zeichen von Shiva sind und daher heilig. Justina hatte Glück und hat eine eingeschlossene Schnecke gefunden, Miriam und ich haben „nur“ schöne Steine gesammelt. So haben wir uns langsam den Dörfchen Kagbeni angenähert, in dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen sollten.

 

Kagbeni und ein kleiner Einblick ins obere Mustangtal

Kagbeni ist ein kleiner Ort, der das Tor zum oberen Mustangtal darstellt. Bis vor wenigen Jahren war hier Schluss für Ausländer – in das Königreich Mustang, welches nördlich von Kagbeni beginnt durfte niemand hinein. Mittlerweile kann man ein Permit erwerben, um das Gebiet für 10 Tage zu erkunden und es gibt sogar eine Schotterstraße bis in die Hauptstadt Lo Manthang, trotzdem ist das Gebiet weiterhin deutlich weniger erschlossen, als das Annapurna Gebiet.

 

Muktinath mit Kind
Miriam hat sich den Betenden angeschlossen

Von Kagbeni aus hat man eine unglaubliche Sicht das Tal des Kali Gandaki hinauf und kann sich vorstellen, wie karg die Landschaft weiter oben ist. An unserem ersten Abend sind Miriam und ich nachmittags nochmal auf eine kleine Erkundungstour gegangen und haben ein tolles Cafe gefunden, von dem aus wir den Sonnenuntergang genießen konnten. Ein wenig weiter unten stand eine alte Stupa und während wir unseren Kaffee bzw. Tee getrunken haben, konnten wir beobachten wie alte tibetische Männer und Frauen langsam ihre Kreise um die Stupa zogen und ihre Gebete murmelten. Es war wirklich eine ganz besondere mystische Stimmung!

In Kagbeni waren wir auch in einem ganz besonderen Hotel untergebracht, was nochmal viel zur Atmosphäre beigetragen hat. Wir waren zwei Nächte im Red House, einem Hotel das in einem alten Kloster untergebracht ist. Das Haus selbst ist mehrere hundert Jahre alt aber natürlich renoviert. Im Innenhof ist immer noch ein Gebetsraum mit einer großen Buddhastatue zu sehen und überall sieht man die alten Schnitzereien, alte Statuen und andere Zeichen, die die lange Geschichte des Hauses erzählen. Wirklich ein toller Ort!

 

 

Ein Tagesausflug nach Mustang – Tiri

Muktinath mit Kind
Reiten nur gegen Apfel möglich :-)

An unserem freien Tag in Kagbeni haben wir einen Ausflug in das Dorf Tiri gemacht, welches ca. 30 Minuten flussaufwärts im Tal des Kali Gandaki liegt. Bis vor wenigen Jahren war es verboten, dieses Gebiet ohne spezielles Permit zu betreten, mittlerweile darf man sich aber tagsüber hier aufhalten. Nachdem wir den Fluss auf einer Holzbrücke überquert hatten sind wir einem kleinen Weg gefolgt, der ins Dorf führte. Unterwegs haben wir einen Esel getroffen, der sehr anhänglich war. Er hat zwar Miriam und Alok auf sich reiten lassen, hat dann aber auch die Bezahlung in Form von Äpfeln sehr nachdrücklich eingefordert…

 

In Tiri sind wir dann zu einem Kloster aufgestiegen, welches weit sichtbar über dem Dorf liegt. Wir hatten großes Glück und haben die Tochter des Lamas unterwegs getroffen, die uns das Tor aufgeschlossen hat, so dass wir die ganze Anlage von innen bestaunen konnten. Das Kloster ist über 800 Jahre alt, wurde allerdings einmal durch Feuer zerstört. Trotzdem war es unglaublich zu sehen, wie alt die Gebäude waren und wir liebevoll diese weiterhin gepflegt werden. Der Pujaraum war natürlich wie immer farbenfroh mit vielen Thankas ausstaffiert und es gab viele verschiedene Buddhastatuen zu sehen. Am meisten haben mich die Gebetsmühlen fasziniert, die draußen angebracht waren. Diese waren außen mit einer Art Papier beklebt, welches aufwändig bemalt war und dem Wind schon an einigen Stellen nachgegeben hatte.

 

Was für ein Ausblick...
Was für ein Ausblick...
Muktinath mit Kind
Miriam war auch ganz fasziniert von den alten Gebetsmühlen

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Der Ausblick ins obere Mustangtal von Tiri aus

Auf dem Weg nach unten haben wir unsere Mittagspause im Haus des Lamas gemacht. Seit 1986 betreut er das Kloster wieder und hat es nach einer langen Zeit der Verwahrlosung ins Leben zurück geführt. Er ist auch tibetischer Arzt und unser Guide Hari und Shankar haben die Gelegenheit sofort wahrgenommen und sich behandeln lassen.

Auf dem Rückweg waren wir dann etwas später als geplant, so dass wir in den Nachmittagssturm geraten sind. Der Weg an der Bergflanke war so ausgesetzt, dass ich manchmal Angst hatte, Miriam fliegt mir weg. Ich bin mir ihr und ihrer Freundin Justina vorgelaufen und habe beide kleinen Händchen so fest gehalten wie ich konnte. Zum Glück war nicht so viel Staub in der Luft, so dass wir unbeschadet wieder im geschützten Kagbeni angekommen sind…

 

 

Der Pilgerort Muktinath

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Miriam genießt den Blick auf Kagbeni auf dem Weg nach Muktinath

Am nächsten Morgen mussten wir uns dann vom Red House und dem wunderschönen Dorf Kagbeni verabschieden und haben uns auf dem Weg zum eigentlichen Ziel unserer Reise gemacht – dem Pilgerort Muktinath. Muktinath liegt auf ca. 3790 m und umfasst mehrere Tempelanlagen. Sowohl Hindus als auch Buddhisten kommen hierher um zu beten. Für die Hindus ist der Vishnu Tempel mit seinen 108 Brunnen der wichtigste Ort, für die Buddhisten der Dhola Mebar Tempel. Hier gibt es ein natürliches Erdgasvorkommen und es brennt die zeitlose Flamme – es kommen alle vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zusammen.

 

Die Kinder hatten sich schon seit dem Beginn unserer Tour auf die Pferde gefreut, auf denen man bis zum Eingang hochreiten konnte. Während Miriam also wiedermal lange vor mir und mit ihren Freunden oben angekommen ist, habe ich mich langsam den Berg hochgeschoben und doch schon ziemlich mit der Luft (oder bessergesagt mit dem Nichtvorhandensein von Luft) gekämpft. Als wir dann endlich alle oben waren, sind wir zum Vishnu Tempel gegangen, da Shankar und Kalpana auf jeden Fall in den Brunnen baden wollten, um sich zu reinigen. Monika und Kabita haben sich den beiden angeschlossen. Ich hab mir das ganze Schauspiel aus der Ferne angeguckt, und es war wirklich spannend. Zuerst laufen die Pilger unter den Brunnenköpfen hindurch, aus denen eiskaltes Wasser kommt. Anschließend müssen sie noch durch zwei Becken, am besten mit dem Kopf unter Wasser. Und nachdem dann neue und saubere Anziehsachen angezogen wurden, geht es noch in den Vishnu Tempel für die Segnung.

 

Muktinath mit Kind
Auf dem Rücken der Pferde...
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Der Eingang zu den Tempelanlagen

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Schnell unter den 108 Brunnen hindurch....
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Glocken am Vishnu Tempel

Wir sind im Anschluss dann noch in den buddhistischen Tempel gegangen und haben uns die Flamme und das leise gurgelnde Wasser angeguckt bzw. angehört. In einem weiten Bogen sind wir dann oberhalb des Dorfes Ranipauwa noch bis zu einem Aussichtspunkt mit einer riesigen Buddhastatue gelaufen und haben die Sicht von dort genossen. Unterwegs sind wir an einer Vielzahl von kleinen Stupas vorbeigekommen, an denen jeweils Gebetsfahnen befestigt waren – viel pittoresker hätte die Aussicht eigentlich gar nicht sein können. Ein wirklich perfekter Abschluss für eine perfekte Tour.

 

Muktinath mit Kind
Juhu, wunderschön ists hier!
Muktinath mit Kind
Im Hintergrund der Thorong La Pass

Zurück nach Pokhara

Muktinath mit Kind
Dieser Truck wäre uns fast zum Verhängnis geworden...

Am nächsten Morgen haben wir uns dann auf den Rückweg nach Pokhara gemacht. Das erste Stück sind wir wieder gelaufen, dann gefahren. Wir haben wieder einen Zwischenstopp in Tatopani eingelegt, da die Fahrt sonst zu lang gewesen wäre. Fast hätten wir nicht einmal dieses Zwischenziel erreicht, da direkt vor uns ein Truck liegengeblieben ist, der bis obenhin vollbeladen mit Äpfeln war. Zum Glück war in einem der folgenden Autos ein Mechaniker, der den Truck dann wieder soweit fit bekommen hat, dass er wenigstens die Straße freimachen konnte.

 

In Tatopani haben wir dann auch noch einen wichtigen Teil von Tihar mitbekommen. Tanzgruppen sind abends von Tür zu Tür gezogen und haben ihr Programm gezeigt, und am Ende haben wir alle mitgetanzt. Am nächsten Tag ging es dann ohne Zwischenfälle weiter, und gegen frühem Nachmittag waren wir wieder zurück in Pokhara.

Ich kann wirklich kaum ausdrücken, wie sehr mich diese Tour berührt hat. Irgendwie war alles perfekt, die Landschaft war nicht nur wunderschön sondern hat mich auf einer spirituellen Ebene berührt und unsere Gruppe war einfach toll. Wir hatten tolle Gespräche, haben uns aber auch unseren Freiraum gelassen und haben so alle genau das gefunden, was wir brauchten. Hari, unser Guide, hat sich perfekt um uns gekümmert und sehr dazu beigetragen, dass diese Woche uns allen unvergesslich bleibt. Und Miriam und ich waren sicherlich nicht zum letzten Mal in Mustang, das ist uns beiden sofort klar gewesen…

 

 

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Glückliche Gesichter!
Muktinath mit Kind
Miriam und Hari - ernst ging es selten zu auf unserer Tour...

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