Nein, ihr seid nicht „alleinerziehend fürs Wochenende“!

Heute muss ich mich mal über eine Redensart aufregen, die mir in letzter Zeit viel zu oft untergekommen ist: Mein Partner/meine Partnerin arbeitet so viel, ich hab das Gefühl ich bin alleinerziehend. Oder gerne auch: Nächste Woche bin ich dann alleinerziehend (weil der Partner/die Partnerin nicht da ist).

 

Ich bin seit sieben Jahren alleinerziehend, und mittlerweile kann ich es echt nicht mehr hören. Natürlich ist es anstrengend, wenn man mehr oder weniger alleine für die Kinderbetreuung zuständig ist, weil der Partner aus welchen Gründen auch immer grad nicht da ist. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass man alleinerziehend ist. Und ich empfinde es mittlerweile fast als Beleidigung, wenn Leute das sagen.

 

Ich bin seit sieben Jahren alleine für meine Tochter zuständig. Das heißt aber eben nicht nur, dass ich mich 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr um sie kümmere, sondern hat für mich noch ganz andere Dimensionen.

 

Ich bin komplett alleine für unsere finanzielle Situation zuständig. Wenn ich kein Geld mehr verdiene, dann haben wir keins mehr, so einfach ist das. Das heißt ich darf mir keine Schwäche leisten, kein Nachlassen. Ich bin zurzeit selbstständig tätig, das heißt nochmal mehr Unsicherheit. Wenn ich krank bin, muss ich (übrigens neben der Kinderbetreuung, die mir ja niemand abnehmen kann) trotzdem arbeiten, weil wir sonst am Ende des Monats unsere Miete nicht zahlen könnten. Es gibt keine zweite Person, mit der ich diese Bürde teilen kann.

 

Viel anstrengender finde ich aber noch, dass man alle Entscheidungen selbst fällen muss und die Konsequenzen dann trägt. Vor allem in letzter Zeit haben viele Menschen mir gesagt, ich hätte ja Glück alleinerziehend zu sein, da ich sonst nicht so viel mit meiner Tochter reisen könnte. Einerseits stimmt das schon, es gibt mir mehr Freiheiten, da ich für uns alleine entscheiden kann. Das ist aber nur schön, solange diese Entscheidungen einfach sind. Sobald es aber komplizierter wird, ist es ganz schön belastend, immer alles alleine entscheiden zu müssen. Ist das Fieber jetzt so hoch, dass wir ins Krankenhaus müssen? Ist es ok, dass Miriam so wenig malt? Welches Verhalten ist angemessen, wann muss ich einschreiten? Ist es in Ordnung, wie es in der Schule läuft? Oft wünsche ich mir nichts mehr, als dass jemand die Last dieser Entscheidungen mit mir tragen würde oder ich wenigstens diese Dinge abends einfach mal mit jemandem besprechen könnte.

 

Ich habe auch das Gefühl, ich darf keine Schwäche mehr zeigen. Ich bin die wichtigste und meistens einzige Bezugsperson für Miriam, und als diese darf ich nicht wanken. Ich muss ihr Sicherheit bieten und vermitteln, und das geht nun mal nur, wenn ich stark bin. Dass ich mich allerdings nicht immer so fühle, kann ich selten zeigen, da mich niemand im stark sein ablöst.

 

Gleichzeitig habe ich aber ja auch eine große Vorbildfunktion für Miriam, und Schwäche zuzugeben ist ja ein wichtiger Faktor, den man vorleben sollte. Auch ein vernünftiges Arbeitsverhalten, gesundes Essen, angemessene soziale Interaktionen – für all das schaut sie im Moment vor allem auf mich. Immer „das Richtige“ tun zu müssen, ohne jemals eine Auszeit zu haben, ist auf Dauer ganz schön anstrengend!

 

Ein weiterer Nebeneffekt der Tatsache, dass ich Miriams wichtigste und eben meistens einzige Bezugsperson bin, ist dass wir manchmal große Probleme haben zu streiten. Wenn jemand zweites da ist, kann man sich auch mal gut anschreien und dann Abstand suchen. Das Kind kann dann zu Mutter/Vater gehen und sich ausheulen und man kann dann reinen Tisch machen. Bei uns geht das nicht. Im Falle eines Konflikts sucht Miriam noch mehr meine Nähe, da eben niemand anders da ist, der sie sonst auffangen könnte. Und das macht eine Lösung oft nicht einfacher.

 

Bei mir persönlich hat das alles dazu geführt, dass es schwierig ist, neben Miriam und meiner engsten Familie überhaupt noch „neue“ Leute in mein Leben zu lassen. Ich habe das Gefühl, ich muss mich so sehr auf Miriam konzentrieren und darauf, ihre Bedürfnisse zu erfüllen, dass da ganz wenig Platz für Anderes ist. Gleichzeitig versuche ich sehr bewusst zu vermeiden, dass sie zu sehr in eine partnerschaftliche Rolle gedrängt wird und weiterhin Kind sein kann. Alles Dinge, über die ich viel nachdenke, die ich aber mittlerweile vor allem mit mir selbst ausmache.

 

Nicht dass ich jetzt falsch verstanden werde, ich bin nicht unglücklich. Uns geht es sehr gut zu zweit und ich kann es mir nicht mehr anders vorstellen. Auch weiß ich, dass  ich sehr privilegiert bin, dass ich trotz unserer manchmal schwierigen Situation noch so viele Entscheidungen treffen kann und so viele Freiheiten habe. Meine Familie unterstützt uns sehr, und meine Eltern sind wichtige Bezugspersonen für meine Tochter. Meine Empfindungen sind sicherlich auch nicht repräsentativ für alle Alleinerziehende.

 

Wenn aber Väter oder Mütter, die ihr Kind oder ihre Kinder in einer Partnerschaft aufziehen, sagen sie seien jetzt „alleinerziehend“, weil der Partner gerade eben nicht da ist, dann stört mich das. Das reduziert die Herausforderungen, vor denen ich täglich stehe auf viel weniger, als sie meiner Meinung nach sind.

 

Also, man kann sich gerne bei mir ausheulen, wenn es grade mal wieder sehr anstrengend ist und man sich um alles alleine kümmern muss. Ich verstehe das sehr gut. Aber alleinerziehend? Nein, das ist noch viel mehr, und vor allem sind das Dinge, die man sich gar nicht vorstellen kann, solange man sie nicht selbst lebt.

 

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Kommentare: 20
  • #1

    Angela (Sonntag, 05 Februar 2017 23:15)

    Liebe Miriam,
    du sprichst mir aus dem Herzen! Von Montag bis Freitag mit den Kids alleine alles meistern zu müssen, weil der Partner in einer anderen Stadt arbeitet, ist sicher auch eine Herausforderung. Aber mit dem Lebensgefühl von Alleinerziehenden hat das sicher noch sehr wenig zu tun.
    Es ist tatsächlich manchmal eine Bürde, alles allein entscheiden zu müssen und für alles allein verantwortlich zu sein - und es ist eine Bürde, die uns keiner abnehmen kann, in vielen Fällen noch nicht einmal für ein Wochenende. Wir machen uns dann eben doppelt soviele Gedanken wie andere Mamas. Wir habens nicht leicht, unsere Kinder habens oft auch nicht leicht, aber wir wuppen es trotzdem. Und darauf können wir stolz sein! Alle miteinander :-)
    Liebe Grüße
    Angela

  • #2

    Eva (Montag, 06 Februar 2017 01:10)

    Liebe Angela,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke auch, dass wir stolz sein können, trotz aller Herausforderungen alles gut hinzubekommen :-).
    Viele Grüße aus Lima,
    Eva

  • #3

    Stephie (Montag, 06 Februar 2017 02:03)

    Liebe Eva,
    Schön, dass du einen so tollen und zeitgleich sensiblen Beitrag verfasst. Ich gebe dir mit jedem Wort recht. Ich glaube fuer mich die anstrengenste Hùrde ist die permanente Verfügbarkeit, ohne Auszeit von Verantwortung, die Momente des Schwach seins oder Einschaetzen koennen, wann Schwäche in Ordnung ist und die Entscheidungsgespràche. Aber ich finde auch, du machst es so super mit deiner Kleinen. Ich fahre im Moment ganz gut damit, es weniger perfekt machen zu wollen und manchmal dann auch mehr Freund fuer mein Kind zu sein als Mutter. Ich merke, dass uns das gut tut und mir viel leichter auch mal eben nicht das perfekte Vorbild zu sein sondern viele Ecken und Kanten zu haben. Mach weiter so und ich verfolge eurer Reisen mit Spannung.
    Liebe Gruesse aus Malaysia

  • #4

    Nicole (Montag, 06 Februar 2017 06:38)

    Das ist so wahr geschrieben, vielen Dank☺ mein Sohn wird bald 4. Und so sehr ich ihn liebe- es ist sooo hart alleine- aber auch so schön. Klar, wenn ich heulend und angezogen die ganze Nacht am Bett sitze, weil er so krank ist und ich, als er kleiner war, Angst hatte er bekommt einen Fieberkrampf, damit ich gleich reagieren kann- ist es definitiv nicht wirklich schön. Und niemand ist da, mit dem man sich austauschen kann....man sitzt alleine und es scheint immer schlimmer zu werden.....Oder ich bin selbst krank, aber Mausi möchte essen oder spielen - muss auch mal in die Wanne....es reicht schon die Organisation meiner Hobbys oder Dinge die mir wichtig sind, ich muss nicht mal nur ein WE verzichten- oder in der Woche und habe wenigstens am WE mal etwas Zeit für mich- ich muss immer. Ich kann nicht mal ebend mit dem Hund eine Runde um den "Block" und hoffe inständig der kriegt keine Depressioen und hat wenigstens ein bissel ein schönes Leben...Aber mittlerweile wachse ich an dieser Rolle auch, zumal mein Sohn auch immer selbständiger wird. Wir waren schon immer alleine- schon vor der Geburt. Wenn mal gar nichts mehr geht, springen meine Eltern auch mal ein paar Stunden ein. Aber da ist auch dieser Wille es alleine schaffen zu wollen- und wenn mein Kind nicht will, geb ich ihn auch nicht weg, auch wenn ich krank bin. Platz für andere Menschen ist da wenig in unserer kleinen Familie...Freunde ja, aber selbst die sind rar. Ich wüsste nicht, wie es aktuell anders gehen soll, möchte ein stabiles Umfeld schaffen und versuchen den Bedürfnissen meines Sohnes gerecht zu werden. Für mich ist es schon ein Party- Tag wenn er tatsächlich mal bei Oma und Opa schläft, was selten 1mal pro Monat klappt. Die holen ihn vom Kiga und ich kann nach der Arbeit einfach nur machen was ich möchte. Stundenlang mit dem Hund raus, mit den Pferden arbeiten...irgendwo Kaffee trinken, ohne etwas retten zu müssen...einfach die Füße hoch...aber spätestens am nächsten Tag will ich ihn wieder haben...es gab Zeiten, da habe ich sehr mit mir gehadert....aber ich bereue nichts. Ich weine, fluche, verzweifle und es wird noch oft so sein- aber ich denke mein Sohn hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Zu einem wertvolleren. Trotz all der Fehler die ich noch mache, ist jeder Tag eine Bereicherung. Ich sage immer auf der einen Seite bin ich erwachsener geworden, auf der anderen seh ich die Welt anders, entspannter- manchmal entschleunigter und viel bunter.

  • #5

    Christine Finke (Mittwoch, 08 Februar 2017 19:49)

    So ist es. Habe deinen Text gerade auf twitter geteilt. Und kürzlich auch erst zu dem Thema geschrieben:

    https://mama-arbeitet.de/standpunkt/von-wegen-ich-bin-unter-der-woche-auch-alleinerziehend

    Viele Grüße!
    Christine

  • #6

    Alex (Mittwoch, 08 Februar 2017 21:16)

    Liebe Eva

    Du triffst den Nagel auf den Kopf. Es ist einfach etwas anderes alleine für sein Kind und sich zu sorgen, als zu zweit. Du sprichst mir aus der Seele. Immer stark sein müssen ist nicht immer einfach. Herzlichen Dank für diesen Beitrag. LG Alex

  • #7

    Miri (Mittwoch, 08 Februar 2017 22:25)

    Wie recht du hast. Ich bin zwar in neuer Partnerschaft, aber diese Aussagen fand ich immer furchtbar. Den Ärger, den der Ex macht, die finanzielle Situation, das Alleinsein bei wichtigen Entscheidungen... das kommt doch nicht in 2 Tagen, weil der Mann arbeiten ist oder wo auch immer.

  • #8

    Eva (Donnerstag, 09 Februar 2017 00:46)

    Vielen Dank für die vielen ermutigenden Kommentare. Da bin ich ja wohl nicht die einzige, die so empfindet :-). Viele Grüße aus Peru!

  • #9

    Peikko (Donnerstag, 09 Februar 2017 12:02)

    Da ich nicht alleinerziehend bin, fällt mir in solchen Texten immer wieder auf, dass wir Gemeinsamerziehenden und scheinbar krank nicht mehr um die Kinder kümmern müssen, was ich so aber nicht bestätigen kann.

  • #10

    Antje (Donnerstag, 09 Februar 2017 14:28)

    Es gibt aber auch Situationen, in denen man trotz Partnerschaft mit diesen Entscheidungen allein ist. Mein Mann macht sich keinen Kopf darum, ob unsere Kleine z.B. zuviel Zeit vor dem Fernseher verbringt oder ob wir genug rausgehen - nicht, weil er sich nicht um sie kuemmert, sondern weil er es einfach nicht nachvollziehen kann, dass mich so etwas beschaeftigt. Klar, das macht mich noch nicht alleinerziehend, und Krankheiten und finanzielle Ungewissheit muss ich eben auch nicht allein tragen. Aber manchmal fuehle ich mich sehr unverstanden, und oft habe ich das Gefuehl, dass fuer ihn die Kleine hinter seinen Interessen zurueckstecken soll. Wie gesagt, das ist nochmal eine ganz andere Problematik, aber ich fuehle oft Aehnliches, habe dann aber nicht die Autonomie, Entscheidungen fuer die Kleine immer so zu treffen, wie ich es fuer am besten halte. Das ist auch eine ganz schoene Zwickmuehle. Klar, ich verstehe aber sehr gut, was Du uns sagen willst - alleinerziehend ist man nicht uebers Wochenende.

  • #11

    Cindy (Donnerstag, 09 Februar 2017 15:25)

    Ich verstehe nicht ganz: Es gibt ja viele Arten von Alleinerziehenden Müttern oder Vätern. Ich muss auch mal hier betonen die tolle Rolle des alleinerziehenden Vaters. Gibt es denn kein Vater der interesse an dem Kind hat. Meist werden die Väter von den Müttern ausgeschlossen und deren Kampf ist noch ein komplett tabu thema in unserer Gesellschaft. Ich bekomme dies leider sehr oft mit. Mutter verbietet Kontakt zum Vater etc. Was ist mit Oma und Opa und den Oma und Opa des Vaters. Werden die meistens nicht ausgegrenzt aus der ganzen Sache und müssen insgeheim mit Büßen? Meine Schwiegereltern wohnen auch im Ausland und dennoch nehmen sie fast täglich teil an unseren Leben und auch an den Entscheidungen. Denn ich hole mir Feedback und deren Sichtweise. Ich bin nicht alleinerziehend und sehr dankbar auch dafür. Doch muss ich hier auch mal fuer all die Mamas und Papas stellung nehmen die, sei verheiratet oder zusammenlebend, einfach sehr sehr viel fuer die Beziehung tun. Da muss man Entscheidungen treffen die allen taugen auch wenn man selber manchmal anderer Meinung ist und dennoch es besser für die Gesamtsituation ist oder des Wohl des anderen bzw des Familienzusammenhalts. Und auch wenn es Zeiten gibt da wünscht sich ein jeder man wäre alleine. Bezahlt der Vater denn kein Unterhalt? Unterstützt er euch denn nicht anderswo und irgendwie. Warum ist das so? Wie kann man die Gesamtsituation verbessern zur Zufriedenheit aller beteiligten Personen.
    Mein Mann und ich sind auch Selbständig. Die Hürden sind wirklich höher dennoch jedoch auch viel freier. Wir selber können entscheiden. Sei doch einfach froh.... Du machst was dir Gefällt... Brauchst keine Rücksicht nehmen auf die Gefühle eines Partners....Toll... Ps. Meine Schwester ist auch alleinerziehend und die Oma hat mal einen ganz tollen Satz gesagt der alle bewegt hat.: Ihr hattet damals euch fuer das Kind entschieden... nun nehmt auch komplett verantwortung dafür egal in was fuer einer Situation ihr steckt. DAs kind kann nichts dafuer und darf nicht dafuer bestraft werden. Ihr beide seit die Eltern und organisiert das so das ihr beide fuer das Kind da seit. Kein anderer auf dieser Welt kann dies fuer euch uebernehmen. Nehmt euer eigenes Ego zurück und seit da fuer das Kind. ........ Sie haben das wunderbar hinbekommen. Das Kind hat nun sogar 3 Opas und Omas und eine Mama die von all den Seiten unterstützung erhält..... Alleinerziehend ist nur ein Begriff. Ob in oder nicht in Partnerschaft. Wir schmieden letztendlich alle unser eigenes Glück ...Alles Gute und eine super Zeit in Nepal weiterhin.... Freilerner Cindy

  • #12

    Laura (Donnerstag, 09 Februar 2017 21:14)

    ...ich habe größten Respekt vor jedem Alleinerziehenden. Egal ob Mann oder Frau. Meine Mutter hat mich selbst komplett ohne finanzielle oder mentale Hilfe des Erzeugers alleine groß gezogen.
    Aber wenn das jemand sagt, dann doch aus einem anderen völlig anderen Blickwinkel und nicht weil er/sie dich nicht wertschätzen, nicht ernst nimmt oder gar persönlich angreifen möchte...

  • #13

    Julia (Donnerstag, 09 Februar 2017 21:32)

    Liebe Eva, genau diese Aussagen haben mich auch schon oft innerlich zum Brodeln gebracht. Meine Tochter ist fünf, und ihr Vater ist schon vor ihrer Geburt gegangen. Es besteht mittlerweile wieder Kontakt, aber das Sorgerecht (und damit ja auch Sorgepflicht) trage ich allein und meine Tochter wächst ausschließlich bei mir auf. Wir haben ein schönes Leben, aber ein oft anstrengendes. An alle wirklich Alleinerziehenden da draussen: Weiter geht's - Mütter können das! Julia

  • #14

    Eva (Montag, 13 Februar 2017)

    Vielen Dank für diese vielen Kommentare. Ich komme leider erst jetzt zum Antworten, da ich in den letzten Tagen ohne Internet unterwegs war...
    Ich wollte mit meinem Artikel keineswegs sagen, dass es Alleinerziehende immer per se schwerer haben. Die Herausforderungen der Kindererziehung, in welcher Konstellation auch immer sind enorm und können unglaublich anstrengend sein. Ich weiß auch genau, dass ich an vielen Stellen viel mehr Freiheit habe, da ich eben alleine entscheiden kann.
    Ich finde eben nur, dass es doch anders ist, alleinerziehend zu sein. Nicht zwangsläufig immer schwieriger, aber anders. Daher war es mir wichtig, diesen Artikel zu schreiben...

  • #15

    Johanna (Mittwoch, 15 Februar 2017 00:56)

    Ich glaube schon, dass es Alleinerziehende immer schwerer haben. Eine meine besten Freundinnen ist mit zwei Kindern allein und mir zeigt das immer wieder was für ein großes Privileg es ist eine stabile Partnerschaft zu haben. Ich verstehe auch nicht wie Mütter mit Partner auf die Idee kommen ja genau wie alleinerziehend zu sein. Als Mutter weiß man doch eigentlich was für eine große Entlastung es ist Verantwortung und Sorgen teilen zu können. Mir sprichst du auch aus der Seele mit dem Artikel, auch wenn ich nicht alleinerziehend bin.

  • #16

    Tina (Mittwoch, 20 September 2017 11:18)

    Ich kenne beide Seiten.
    Mit meinem großen Sohn war ich nahezu ab Geburt 10 Jahre alleine. Mal n Partner zwischendurch, aber trotzdem alleine verantwortlich im Alltäglichen. Bei großen Entscheidungen hat sich sein Dad nämlich sehr wohl sein Mitspracherecht herausgenommen. auch nicht einfach.
    Jetzt habe ich 3 weitere (Klein)Kinder mit meinem Mann, der sehr viel arbeitet und die Kids fast nur am Wochenende sieht. Auch hier entscheide ich alles Alltägliche alleine.
    Am Wochenende mal den Dad mit Kids los schicken? Undenkbar. Streit? Das Kind rennt nicht zum Dad. Wie auch? Er bleibt zuhause, wenn ich krank bin? Von wegen.
    Jede Medaille hat 2 Seiten. Und auch wenn ich jetzt verheiratet bin: ich erziehe alleine. Die einzige Sorge die mir genommen ist, ist die finanzielle.

  • #17

    Melanie (Mittwoch, 20 September 2017 21:39)

    Danke, einfach nur danke!

  • #18

    Skydiverpeg (Sonntag, 22 Oktober 2017 22:19)

    Hallo zusammen,
    ich bin nicht alleinerziehend und habe den grössten Respekt vor euch allen! In deinem Bericht hast du genau das beschrieben und für mich bestätigt, was ich von euch tollen Frauen (und Männern) halte und denke.
    Mein Mann ist meistens 7 Tage die Woche von früh bis spät arbeiten und hat nur wenige Tage frei und das meiste Familienmanagement bleibt an mir hängen. Dennoch sind wir zwei Verdiener und ich kann meinen Kummer und auch die schönen Momente mit ihm teilen, wenn er abends nach Hause kommt. Und wenn ich dennoch an meine Grenzen stoße, denke ich oft "Jammer nicht rum. Die Alleinerziehenden haben es viel schwerer!"
    � CHAPEAU! Ihr seid für mich Lebenskünstler!

  • #19

    Bella (Sonntag, 12 November 2017 21:17)

    Ich denke, dein Artikel ist etwas zu vereinfacht. In dieser "Schubladenwelt", müssen Alleinerziehende hart arbeiten und erfahren wenig Unterstützung, während Elternpaare gemeinsam Geld verdienen und im Krankheitsfall füreinander einspringen und alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam treffen.

    Ich gebe dir Recht: in DIESER Konstellation ist es unverschämt, bei einem Wochenende ohne Partner davon zu sprechen, man sei nun auch alleinerziehend.

    Für sehr viele Elternpaare sieht die Realität aber anders aus: Vielleicht verdient nur einer von beiden Geld und trägt die belastende finanzielle Verantwortung für alle drei, oder der (meist männliche) Partner hält gar nichts davon, kranke Kinder zu betreuen, die kranke Ehefrau zu unterstützen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, etc. Oder aber die beiden wollen gemeinsam Entscheidungen treffen - sind aber anderer Meinung.

    Dazu können auch jederzeit noch ECHTE Probleme kommen. Eine ernstere Erkrankung eines der beiden, Arbeitslosigkeit, graviernde Beziehungsprobleme. Und auf einmal ist man nicht wie eine Alleinerziehende "nur" für sich und sein Kind verantwortlich/zuständig - sondern zusätzlich noch für den Ehepartner/die Ehepartnerin.

    Ich sehe in meinem beruflichen Alltag durchaus auch Alleinerziehende die energetisch und strahlend durch's Leben tanzen und sehr viel Unterstützung von ihren eignen Eltern/Freunden erfahren und Ehepaare, die - obwohl zusammen - "alleiner" gar nicht sein könnten.

  • #20

    Eva (Donnerstag, 16 November 2017 05:29)

    Vielen Dank für die vielen Kommentare, sowohl die unterstützenden als auch die kritischen. Wie bereits gesagt, ich wollte mit dem Artikel auf keinen Fall sagen, dass es Alleinerziehende immer schwerer haben. Mir geht es in unserer Situation sehr gut, und ich kann glaube ich besser damit umgehen, Entscheidungen alleine zu treffen als ich es mit einem Partner könnte, der uns nicht voll unterstützt. Trotzdem finde ich, es ist anders und es sollte daher nicht das gleiche Wort verwendet werden. Jede Familienkonstellation ist unterschiedlich und man kann Familien nie in Schubladen stecken, aber für mich ist es wie gesagt trotzdem anders. Auf keinen Fall immer schlechter, aber anders und mir ist es wichtig, das auch so zu benennen.