Trekking mit Kindern - Der Poon Hill Trek (Teil II)

Nach einer kalten Nacht sind wir also am nächsten Morgen um 5 Uhr von meinem Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen worden. Miriam hatte so Recht gar keine Lust, sich aus dem Schlafsack zu bewegen und nach draußen in die Kälte zu gehen, aber schließlich konnte ich sie überzeugen und dick eingepackt und mit unseren Kopflampen ausgerüstet sind wir dann schließlich losgezogen.

 

Wir haben uns dann direkt in eine lange Linie eingereiht, da wir natürlich nicht die einzigen waren, die zum Sonnenaufgang zum Poon Hill wollten. Nach ungefähr 20 Minuten kamen wir zum Kassenhäuschen, in dem wir 50 Rupien zahlen mussten, und dann ging es weiter die Treppen hoch. 400 Höhenmeter mussten wir überwinden, und so ganz ohne Kaffee war das schon eine Herausforderung für mich. Zum ersten Mal hat Miriam hier auch geschwächelt und die letzten Meter musste ich sie auf den Rücken nehmen, damit wir es noch nach oben schaffen.

 

Tee zum Aufwärmen am Poon Hill
Tee zum Aufwärmen am Poon Hill

Dort haben wir uns dann sofort einen guten Platz gesucht und uns eine Plastikmatte gesichert, auf die wir uns setzen konnten. Der Horizont war schon in erstes organgenes Licht getaucht, und mit einem wärmenden Kaffee und Tee ausgerüstet haben wir uns das Schauspiel dann angeschaut. Mehr Glück als wir hätte man mit dem Wetter gar nicht haben können, der Himmel war total klar, ohne eine einzige Wolke. Nach und nach konnten wir die 8000er um uns herum erkennen und Gipfel nach Gipfel wurde in rosa Licht getaucht, je höher die Sonne am Himmel aufstieg. Sogar Miriam saß sprachlos da und hat das Spektakel ohne Worte genossen, und das will schon was heißen… Die Plackerei am Morgen hat sich also absolut gelohnt und wir hatten einen wirklich magischen Morgen.

 

Langsam erschien ein Gipfel nach dem anderen aus der Dunkelheit...
Langsam erschien ein Gipfel nach dem anderen aus der Dunkelheit...
Auf der Hotelterrasse in Ghorepani - jetzt auch mit Aussicht
Auf der Hotelterrasse in Ghorepani - jetzt auch mit Aussicht

Als die Sonne dann ganz oben war, sind wir die vielen Stufen wieder schnell nach unten gelaufen, wo unser Frühstück schon auf uns wartete. Nach der Stärkung sind wir dann weitergelaufen in Richtung Tadapani, unserem nächsten Tagesziel. Uns beiden saß jedoch die Anstrengung des Morgens in den Knochen, außerdem waren wir weiterhin über 3000 Meter und ich muss zugeben, dass ich das schon gemerkt habe. Ziemlich langsam haben wir uns also von Ghorepani zum Deurali Pass hochgeschoben, der wieder auf ungefähr 3200 Metern lag. Da es Wochenende war, waren auch ziemlich viele nepalische Gruppen unterwegs, die jedoch oft ein anderes Verständnis von Naturgenuss haben als ich… Mehr als eine Gruppe ist mit lautem Radio unterwegs gewesen, die letzten kommunizierten mit den ersten der Gruppe durch Gebrüll und insgesamt hatte ich wenig Lust, uns unseren Tag dadurch verderben zu lassen.

 

Was für eine Aussicht...
Was für eine Aussicht...

Als wir dann endlich am Deurali Pass angekommen waren, haben wir uns also entschieden, das grandiose Panorama zu genießen und alle anderen an uns vorbeiziehen zu lassen. Jedes Mal, wenn ich aufstehen wollte, habe ich in der Ferne wieder Musik gehört und bin doch sitzen geblieben, so dass wir insgesamt fast eineinhalb Stunden am Pass waren. Miriam hat mit ihren Pferden gespielt, wir haben Fotos gemacht, uns ausgeruht und das unglaubliche Panorama genossen. Als wir uns dann schließlich auf den Weg gemacht haben, hatten wir den Weg für uns und keiner hat uns mehr gestört…

 

Im Märchenwald
Im Märchenwald

Da wir aber so viel Zeit verloren hatten, haben wir uns entschieden, nicht ganz bis Tadapani zu laufen, sondern schon einen Ort vorher unser Nachtlager aufzuschlagen. Die absolut richtige Entscheidung, da wir beide echt kaputt waren und das Wetter dann nach dem Abstieg deutlich schlechter wurde, die zweite Hälfte des Tages haben wir komplett in den Wolken verbracht mit einer Sicht die nicht weiter war als zwanzig Meter. Dadurch hat der Wald aber wieder etwas ganz mystisches und magisches bekommen, überall schimmerten moosbewachsene Bäume durch die Wolken, manchmal hörte man nur den Fluss im Tal rauschen und konnte ihn nicht sehen und wir fühlten uns wie in einer kleinen Blase. Als wir gegen vier in einer Herberge ankamen, haben wir dort noch heiß geduscht und uns dann den Rest des Tages vor dem Ofen verkrochen.

 

Am nächsten Morgen ging es dann weiter und ohne Wolken konnte ich auch erkennen, dass wir in einer ziemlich tiefen Schlucht geschlafen hatten. Hätte ich die überhängenden Klippen am Tag vorher gesehen, hätte ich vielleicht doch noch ein anderes Gästehaus ausgesucht… Naja, aber so haben wir wenigstens gut und ohne Beunruhigung geschlafen.

 

Weiter ging es durch den Märchenwald in Richtung Ghandruk, unser nächstes Tagesziel. Da wir am Tag vorher auf der Strecke Schlapp gemacht haben, stand uns eine etwas längere Tour bevor, aber wir waren wieder voller Kraft und Motivation. Gleich nach einer halben Stunde sind wir einer großen Affengruppe begegnet, aber nicht den langweiligen Makaken, sondern eine andere Art mit schwarzen Köpfen und weißen Gesichtern. Miriam war ganz begeistert und konnte gar nicht genug vom Schauen bekommen.

 

Der gekreuzigte Hase
Der gekreuzigte Hase

Auf unserem weiteren Abstieg haben wir dann viele deutsche Gruppen getroffen, die von Tadapani aus gestartet waren und jetzt auf dem Weg nach Ghorepani waren. Die konnten meistens gar nicht glauben, wie wir unterwegs waren und dass Miriam den ganzen Weg alleine gelaufen ist. Vor allem unser Rucksack hat Aufmerksamkeit erregt, erst mal die Tatsache, dass ich ihn getragen habe und keinen Träger hatte, und dann auch noch, dass wir einen Teil unserer Anziehsachen außen zum Trocknen festgemacht hatten. Am merkwürdigsten sah wohl Miriams Hasenkuscheltier aus. Es hatte einige Tage vorher einen Unfall und ist ins Wasser gefallen und musste jetzt oben auf dem Rucksack trocknen. Mit den eingeklemmten Pfoten sah es von weitem ein wenig so aus, als hätten wir ein Kaninchen gejagt und auf unserem Rucksack gekreuzigt…

 

Gegen Nachmittag sind wir dann schließlich in Ghandruk angekommen und Miriam war ganz heiß darauf, ein Hotel zu finden, in dem man ein traditionelles Gurung Kleid anprobieren kann. Schließlich sind wir fündig geworden, und während ich erst mal meine dicken Wanderschuhe ausgezogen habe, war sie schon unten und hat sich einkleiden lassen. Fazit war dann mal wieder: Miriam steht einfach alles.

 

Nach einem Spaziergang durch das Gurung Dorf mit seinen typischen Schieferdächern (bei deren Anblick ich aber nur noch an die Erdbebengefahr denken konnte…) und einem leckeren Dal Bhat bei unseren Gastgebern sind Miriam und ich dann abends wieder hundemüde um acht ins Bett gefallen.

 

Der nächste Tag war dann auch schon unser letzter Tag unterwegs, heute wollten wir eigentlich bis nach Nayapul laufen und von dort aus den Bus nach Pokhara nehmen. In unserem Gästehaus war aber ein russisches Pärchen, welches mit Guides unterwegs war. Die haben uns empfohlen, doch schon nach circa einer Stunde den Bus zu nehmen, da es sowieso nur auf der Straße runter ging und der Weg sehr staubig war. Miriam war dann auch nicht mehr zu überzeugen, und auf der Straße laufen wollte ich auch nicht, also haben wir uns der Gruppe angeschlossen. Es war schon sehr gewöhnungsbedürftig, wieder in die „Zivilisation“ zurück zu kommen, auch wenn wir eigentlich nur fünf Tage unterwegs waren. Der Bus war dann auch total überfüllt und laute Musik plärrte aus allen Lautsprechern, so dass wir uns direkt wieder nach der Ruhe der Berge gesehnt haben. In Nayapul konnten wir dann mit unseren neuen Bekannten im Minibus mitfahren, so dass wir wenigstens dem schrecklichen Bus entkommen konnten. Netterweise haben die uns dann direkt zurück zu unserem Hotel gebracht, wo wir dann von einem überraschten Besitzer in Empfang genommen wurden, der gar nicht glauben konnte, dass wir es wirklich geschafft hatten.

 

Der Blick von Ghandruk
Der Blick von Ghandruk

Ich bin unglaublich froh, dass wir diese Tour gemacht haben. Die Stunden mit Miriam unterwegs waren wunderschön und ich werde wohl nie vergessen, was für schöne Momente wir beide teilen konnten. Ich bin immer wieder überrascht von ihrer Kraft und Energie, und ich bin unglaublich dankbar, dass wir beide die Natur gleichermaßen so sehr genießen können! Ich freue mich schon sehr auf unsere nächste Wanderung!!!

Falls ihr übrigens den ersten Teil des Berichtes verpasst habt, hier geht´s lang :-)

 

Miriam plant schon unsere nächste Tour. Dann soll bitteschön auch ein schneebedeckter Berg dabei sein...
Miriam plant schon unsere nächste Tour. Dann soll bitteschön auch ein schneebedeckter Berg dabei sein...

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Kommentare: 1
  • #1

    RoadTrip-Girl (Mittwoch, 28 Dezember 2016 20:38)

    Wow! Tolle Bilder die du geschossen hast. Da würde ich auch gerne hin. So viele schöne Motive und diese Aussicht... Wunderschön...
    Liebe Grüsse
    Veronica