Reis in Kaule

Vor zwei Wochen waren Miriam und ich zum ersten Mal beim Reispflanzen in Kaule dabei. Bisher habe ich das immer nur auf dem Weg gesehen, da die Reisfelder der Menschen in Kaule weit im Tal sind und man dort länger als eine Stunde hinläuft… Es hat sich also irgendwie nie ergeben, aber dieses Jahr wollten wir unbedingt dabei sein. Nachdem sich das ganze mehrmals verschoben hat, da es einen Erdrutsch gab der erst mal die Felder beschädigt hatte, war es dann endlich so weit.

 

Wir sind relativ früh in Kaule losgegangen, da es ja so weit ins Tal ging und waren dann natürlich viel zu früh da. Die Männer haben noch die Felder vorbereitet, die Wälle aufgeschüttet und das Wasser verteilt. Zwei Pflüge mit Ochsen waren auch da, es war echt beeindruckend wie diese großen Tiere auf so engem Raum wenden konnten und nie eine Wand kaputt gemacht haben. Wir haben dann schon mal ordentlich im Matsch gespielt und Miriam und ich waren schon dreckig, bevor das Reispflanzen überhaupt angefangen hatte…

 


So richtig viel helfen konnten wir auch nicht, und dann gab es erst mal Essen. Nach dem Essen sind die Männer wieder an ihre Arbeit gegangen und wir haben gewartet. Und gewartet und gewartet, irgendwie passierte nichts. Es hieß immer, die Frauen kommen später, und dann geht es los. Irgendwann habe ich schon überlegt, ob wir wieder gehen, da mir das Ganze so sinnlos erschien. Aber plötzlich hörte man Stimmen im Wald, und dann sah man viele Farbtupfer von bunten Kurthas durch die Bäume schimmern. Dann kamen bestimmt 50 Frauen hintereinander in einer Reihe auf die Felder und machten sich durch den Matsch auf den Weg auf die untenliegenden Felder. Das war unser Zeichen und wir sind sofort hinterher.

 


Ohne viel Drumherum fingen die Frauen dann alle ganz schnell an, die Reispflanzen die vorher schon auf eine bestimmte Größe angezogen worden waren in den Schlamm zu stecken, und zwar in einer Geschwindigkeit, die ich für unmöglich gehalten hätte… Bevor ich auch nur das erste Bündel auseinander gezupft hatte, hatten die Frauen schon das erste Feld bepflanzt und hatten natürlich großen Spaß daran, mir zuzugucken…

 

Zwei ältere Frauen haben mich dann unter ihre Fittiche genommen und mir immer wieder erklärt, wie das Ganze geht. Irgendwann bin ich dann auch in den Rhythmus gekommen, und als die beiden dann auch noch angefangen haben zu singen war ich wie verzaubert. Es war einfach wunderschön, obwohl wir uns kaum verständigen konnten und so ziemlich gar nichts in unseren Leben gemeinsam haben, hat das stundenlange Stehen im Matsch und irgendwie verbunden. Ich habe mich total aufgehoben und angekommen gefühlt, einfach nur gut.

 

Miriam hat die meiste Zeit mit den anderen Kindern gespielt, die mit ihren Müttern auf den Feldern waren. Sie war nach kurzer Zeit bis auf die Unterhose nass, da es natürlich allen totalen Spaß gemacht hat, sich gegenseitig mit Matsch zu bewerfen... Sie hat aber auch viel geholfen und die Ränder der Felder bepflanzt.

 

Insgesamt war es ein wunderschöner Tag der uns wieder mal die Magie und Schönheit von Nepal bewusst gemacht hat. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Diana Weinert (Samstag, 16 Juli 2016 15:00)

    Ich habe die Reisernte vor 6 Jahren in Nepal miterlebt. Mich hat v.a. fasziniert, in welchem Miteinander wirklich alle Generationen Tage auf dem Feld verbrachten. Jeder hatte seine Aufgabe und zwischendurch war immer viel Zeit zum Reden, Spielen oder Essen. Danke dir, Eva für deinen Bericht, der mich daran erinnert hat.

  • #2

    Annette Wieners (Samstag, 16 Juli 2016 18:28)

    Was für ein wunderbarer Bericht, der setzt nur emotionen frei. Ich beneide euch um diese Erfahrung, mit den Menschen und beim Reispflanzen mal dabei sein zu dürfen. Wunderbar zu sehen ist, dass es keinen Unterschied macht ob es Erwachsene oder Kinder sind, die daran teilhaben.

  • #3

    Eva (Sonntag, 17 Juli 2016 00:10)

    Vielen Dank für die Kommentare, es freut mich sehr dass dieser Artikel Erinnerungen und Emotionen wach gerufen hat :-). Miriam und ich werden uns noch sehr lange an diesen wunderschönen Tag erinnern.