Mit Kind auf Konferenzreise

Einige von Euch werden sich wahrscheinlich wundern, warum wir plötzlich nach drei Jahren Asien in Amerika unterwegs sind. Der Anlass für unsere Reise war eigentlich eine Konferenz, an der ich gerne teilnehmen wollte, um Ergebnisse meiner Doktorarbeit zu präsentieren. Diese findet im Januar in Portland, Oregon statt. In die USA zu fliegen ist natürlich teuer, und ich bin auf ein Stipendium angewiesen, um überhaupt teilnehmen zu können. Im Vorhinein habe ich mich wieder viel erkundigt, und obwohl es vielfältige Möglichkeiten gibt, Geld zu beantragen, auf die Frage ob der Aufenthalt meiner Tochter auch bezuschusst werden kann gab es immer nur negative Antworten. Und weil es diesmal auf Grund der extremen Entfernung besonders für mich ins Gewicht fällt, hab ich mir nochmal Gedanken darüber gemacht, wie es denn bis jetzt immer so für mich gelaufen ist, und wie ich es geregelt habe, Konferenzen und Kind unter einen Hut zu bringen.

 

Ich glaube, ich bin die letzte die sich über Stipendienvergaben beschweren kann, ich habe schon viele unterschiedliche Förderungen bekommen, und auch diesmal hat es wieder geklappt. Trotzdem finde ich, dass es nicht ganz fair ist, dass man als Alleinerziehende dann mit dem „Wegorganisieren“ des Kindes allein gelassen wird. Wenn ich rückblickend überlege, an welchen Konferenzen ich teilgenommen habe, dann wird mir nochmal klar, dass dies ganz klar immer davon bestimmt war, ob ich Betreuungsmöglichkeiten für Miriam habe und wie die Kosten dann aus sahen. Einmal war ich in Delhi, da habe ich Miriam zu Hause in Nepal gelassen. Das war aber für uns beide nicht gut, wir haben uns sehr vermisst (mit Fieldtrip und allem waren es zehn Tage) und ich war sehr unsicher, da Miriam allein bei ihrer Tagesfamilie war. Das war also keine gute Option, und für weitere Reisen wäre das nicht für mich in Frage gekommen. Bei der nächsten Konferenz in Sri Lanka habe ich es so abgestimmt, dass wir meine Mutter dort für einen Urlaub getroffen haben, so dass Miriam gut betreut war. Obwohl ich ein Stipendium für den Konferenzaufenthalt bekommen habe, musste ich Miriams Flug natürlich aus eigener Tasche zahlen. Genauso beim nächsten Mal, in Kopenhagen. Dort war der Weg zum Glück nicht so weit, da wir sowieso in Deutschland waren, aber wieder ist meine Mutter mitgekommen und hat sich um Miriam gekümmert. In Nepal hat Miriam auch schon mal auf meinem Schoß sitzend an einer Podiumsdiskussion teilgenommen, weil ich eben keine Betreuungsmöglichkeit für sie hatte… Zum Glück waren alle nach anfänglicher Irritation sehr offen und es war kein großes Problem. Anschließend habe ich es mir immer aber immer zehn Mal überlegt, ob ich zu einer Konferenz fahre, da das Drumherum so schwierig ist.

 

Jetzt also Portland. Natürlich könnte ich Miriam einfach zu Hause bei meiner Mutter lassen, aber das möchte ich nicht. Wir haben wir vor allem nach dem Erdbeben beide so unsere Probleme damit, lange getrennt zu sein. Zwei Wochen oder so würde ich Miriam jetzt also sehr ungerne alleine lassen, vor allem wenn ich sogar auf einem anderen Kontinent bin. Für mich heißt das jetzt, ich muss ihren Flug, ihren Babysitter (unglaublich teuer!!!) und natürlich auch ihr Hotelzimmer (Doppel- statt Einzelzimmer) aus eigener Tasche zahlen, was schon einiges ausmacht. Und ich verstehe nicht so ganz, warum es da nicht zusätzliche Hilfen für Alleinerziehende gibt. Einerseits heißt es immer, es soll unterstützt werden, dass man auch mit Kind seinen Abschluss macht und man möchte, dass Akademiker Nachwuchs bekommen, aber dann fehlt im Nachgang die durchdachte Unterstützung.

 

Ich habe in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, wie wichtig für mich die Teilnahme an Konferenzen ist. Man präsentiert seine eigenen Ergebnisse, lernt neue Leute kennen, nimmt neue Perspektiven an und bekommt insgesamt einen neuen Einblick in das Themenfeld. Jede Konferenz an der ich teilgenommen habe hat mir einen neuen Blickwinkel ermöglicht und mich immer ein ganzes Stück weitergebracht. Ich würde mir sehr wünschen, dass in Zukunft die Teilnahme von Alleinerziehenden an Konferenzen noch mehr gefördert würde und man zum Beispiel auch Transportkosten für das Kind und vor allem Betreuungskosten bei der Abrechnung ansetzen könnte. Eine Konferenzreise sollte ja nicht ein finanzieller Einschnitt für Studenten sein, sondern ein Teil der Ausbildung, die dann auch finanziert werden sollte.

 

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